Am 25. März 2026 fand in Berlin die zweite SIGU-Zukunftsfabrik statt. Dafür kamen wieder Teilnehmende aus Unterstützungs-, Verwaltungs- und Wissenschaftsorganisationen für SIGUs aus ganz Deutschland zusammen, um gemeinsam die drängendsten Themen ihrer Arbeit zu diskutieren.
Vernetzung + Zusammenarbeit = Wirkung ⬆️
Am 25. März hat die zweite SIGU-Zukunftsfabrik stattgefunden. Wir sagen danke an alle Möglichmacher:innen aus dem SIGU-Ökosystem, die den Tag mit uns gemeinsam so wunderbar produktiv gestaltet haben.
Zur Folgeveranstaltung der SIGU-Zukunftsfabrik 2025 hatte die SIGU-Plattform dieses Mal unter dem Motto „Zusammenarbeiten. Synergien entfalten. Veränderung bewirken.“ ins Betahaus in Berlin-Kreuzberg eingeladen. Die Agenda für den Tag: Gemeinsam mit zukunftsschaffenden Sozialinnovator:innen aus ganz Deutschland sehr konkret Lösungsideen für ausgewählte Herausforderungen des SIGU-Ökosystems zu diskutieren und zu entwickeln.
Eine Befragung während der ersten Zukunftsfabrik hatte gezeigt, dass neben den Themen Finanzierung und Förderung, SIGU-Selbstverständnis, Politik und Sichtbarkeit vor allem die Entfaltung von Synergien wichtig für das Ökosystem ist.



Nicole Burkhardt (Referatsleiterin im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) brachte es in ihrer Begrüßung auf den Punkt: Soziale Innovationen entstehen nicht im Alleingang – sie brauchen den Mut zu unkonventionellem Denken und vor allem die Bereitschaft, Sektorengrenzen zu überwinden. Ihre Vision für die Zukunft des SIGU-Ökosystems beruht daher auf Wirkung als zentraler Währung und Zusammenarbeit als Methode.
In ihrer Keynote betonte Katarina Peranić (Geschäftsführerin More in Common Deutschland), wie wichtig die Arbeit des SIGU-Ökosystems gerade jetzt sei: Zwar machen sich die meisten in Deutschland lebenden Menschen (83 Prozent) regelmäßig Gedanken über die Zukunft Deutschlands. Aber nur wenige (20 Prozent) hätten dabei Vertrauen in die Politik. Tatsächlich würden dagegen immerhin 56 Prozent zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen und Verbänden bei der Frage, wer Verantwortung für unsere Zukunft übernimmt, vertrauen.
„Wir wissen, was zu tun ist!“ – Katarina Peranić
In diesem Stimmungsbild liege ein starkes Mandat für das SIGU-Ökosystem, so Peranić, angesichts dessen mit einem gesunden Selbstvertrauen nach vorn geschaut werden dürfe. Wichtig sei es jetzt daher, sich weniger um die Krisenszenarien zu sorgen, sondern sich verstärkt auf die vielen positiven Entwicklungen sowie erreichten Erfolge zu konzentrieren und von hier aus mutig voranzuschreiten.
Im März 2026 veröffentlichte das Land Berlin etwa eine neue Studie zum Status quo von Sozialen Unternehmen in Berlin.
Die Studie zeigt: „Die Sozialen Unternehmen in Berlin leisten einen wichtigen Beitrag zu einer inklusiven, innovativen und nachhaltigen Wirtschaft und sind in zahlreichen Branchen aktiv: Besonders häufig sind die idealtypischen Sozialen Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen (15,7 Prozent) sowie im Handel (11,8 Prozent) vertreten.“ Sie seien auch in Krisenzeiten widerstandsfähig und erwirtschaften hochgerechnet einen geschätzten Gesamtumsatz von rund 5,2 bis 6 Milliarden Euro!
Wie wichtig Kooperationen für diese Erfolge sind, unterstrich Josefa Kny (betterplace lab) im nachfolgenden Panel „Zusammenarbeit als Hebel für Soziale Innovationen“: Resilienz sei eine „kollektive Kompetenz“. Dabei sieht sie Resilienz weniger als den Erhalt des Ist-Zustands in Sorge vor einem „bounce back“, sondern positiv als Moment eines vertrauensvollen „bounce forward“. Dazu, so Knys Plädoyer, brauche es die Verbindung miteinander, sowohl in den SIGU-Projekten als auch gesamtgesellschaftlich.
Während der Zukunftsfabrik haben wir im Interview mit Josefa Kny und Isabel Gahren vom betterplace lab über die Gelingensbedingungen von guter Kollaboration gesprochen.
Die Zahnräder drehen sich: Synergien im Ökosystem
Über alle Beiträge hinweg zog sich ein roter Faden: Synergien entstehen nicht nur durch Strukturen, sondern durch die Art und Weise der Zusammenarbeit. Immer wieder ging es um Schnittstellenarbeit, Anschlussfähigkeit und die Fähigkeit, in wirklich kooperative Verbindung zu gehen – geprägt von Offenheit und Selbstreflexion. Entscheidend sei dabei weniger das Was als das Wie: Kooperation muss aktiv gelernt und eingeübt werden („Do you speak SI?“) – der „Kollaborationsmuskel“ braucht Training. Formate wie die Zukunftsfabrik leisten dazu einen wichtigen Beitrag, indem sie Erfahrungsräume für Austausch, Zuhören und Neugier schaffen. Am Ende stand daher vielleicht weniger die Frage nach neuen Instrumenten als nach gemeinsamer Klarheit: Was wollen wir eigentlich erreichen – und wie können wir die vorhandenen Handlungsspielräume gemeinsam nutzen?
Vier Zukunftswerkstätten
In vier ausgewählten Zukunftswerkstätten überlegten die Teilnehmenden dann, an welchen Stellen künftig noch weiter geschraubt werden müsse, um das SIGU-Ökosystem zusammen nach vorn zu bringen.
Um Synergien im SIGU-Ökosystem weiter zu heben, seien etwa die Bildung thematischer Allianzen, niedrigschwelliger Netzwerkformate und mehr Sichtbarkeit bestehender Kooperationen im Ökosystem (zum Beispiel auf der SIGU-Plattform) wichtig. Für die Zusammenarbeit mit Wohlfahrt und Verwaltung wurden insbesondere der Vertrauensaufbau, eine Stärkung des gegenseitigen Verständnisses sowie klare Zielbilder als wichtige Hebel hervorgehoben.
Eine passgenauere Finanzierung und Förderung von morgen sollte sich außerdem noch weiter für eine Verringerung administrativer Aufwände und „Trust-based Philanthropy“ einsetzen: Weniger Kontrolle und Reporting zugunsten von Vertrauen und Wirksamkeit. Johannes Ulrich (Ostwerk) unterstrich die Wichtigkeit von langfristig- und missionsgebundenem (geduldigem) Impact Investing-Kapital statt klassischer Exit-Orientierung, etwa durch Blended-Finance-Ansätze. Diese können Risiken durch philanthropisches Kapital abfedern und dadurch private Investitionen erleichtern. Außerdem erstrecken sich wirkungsorientierte Projektförderungen mehr und mehr entlang langfristiger Förderketten, die Organisationen über verschiedene Entwicklungsphasen hinweg begleiten.
Vor diesem Hintergrund erscheinen auf der lokalen Ebene unter anderem auch Kommunale Wirkungsallianzen besonders wichtig. Sie können durch strategische Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Zivilgesellschaft und weiteren Akteuren Ressourcen und gesellschaftliche Wirksamkeit heben. Dadurch werden Umsetzungsnetzwerke geschaffen und lokal-innovative Lösungen (auch langfristig) in die Wege geleitet. Beispiele wie das Projekt „Alte Hölle“, das aus einem selbstorganisierten Begegnungsort aus gesellschaftlichem Engagement entstanden ist, zeigten eindrücklich, welches Potenzial in lokal verankerten Initiativen liegt, vor allem wenn sektorübergreifende Allianzen Räume für gemeinschaftliches Handeln schaffen. Entscheidend bleibt dabei der Aufbau langfristiger, wechselseitiger Beziehungen, in denen Kommunen nicht nur Adressaten, sondern aktive Mitgestalterinnen von Erfahrungsräumen werden – eine „Kunst“, die in der Praxis durch viele zwischenmenschliche Qualitäten ermöglicht werde, wie Offenheit, Selbstreflexion und Vertrauen.
Ebenso können sich Hochschulen als Schmieden für Soziale Innovationen verstehen. Sie sind oft die erste Anlaufstelle für sozial-innovative Ideen und bringen naturgemäß eine „Lust am Erkunden“ mit. Sie bringen wissenschaftliche Erkenntnisse in Entwicklungsprozesse von Sozialen Innovationen mit ein und stellen sich vermehrt die Frage: „Wie kriegen wir unser Wissen in die Praxis?“ (Jürgen Schultze, TU Dortmund). Die Rolle der Hochschule sollte es, laut der Sozialunternehmerin Aylin Shakibi, daher auch sein, sich als „Raum zum Experimentieren für erste Schritte“ zu verstehen und Validierungen von Geschäftsideen zu ermöglichen.





Zahnrad für die Zukunft
Die Zukunftsfabrik 2026 zeigte damit eindrucksvoll, wie aktiv, vielfältig und vorausschauend das SIGU-Ökosystem heute bereits ist und welche tragende Rolle auch die SIGU-Plattform dabei einnimmt. Dafür möchte die Plattform künftig noch stärker von Lösungssuchenden genutzt werden und SIGU-Unterstützungsakteure als aktive Gestalter:innen der Plattform gewinnen.
Gleichzeitig bleibt die Lage herausfordernd – mit unsicheren Förderperspektiven und einem Ökosystem, dem die klassische (technische) Innovationsförderung oft voraus ist. Umso wichtiger ist der gemeinsame Blick nach vorn: mehr sichtbare Best Practices, mehr Wissenstransfer, mehr Zusammenarbeit auf Augenhöhe – zwischen Sektoren, Disziplinen und Akteur:innen. Oder, wie es Norbert Kunz (Social Impact gGmbH / SIGU-Plattform) zum Abschluss der Zukunftsfabrik formulierte:
„Viele Unsicherheiten – aber wir schaffen das!“



Hier gibt’s die Fotos zum Tag, zum Download und Teilen!






