StiPS Preisträger:innen, ©VDI/VDE-IT und BMFTR
Im Rahmen des Kolloquiums „Von der Idee zur Wirkung – Wie können Hochschulen Soziale Innovationen stärken?“ verlieh das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) den Studierendenpreis für Soziale Innovationen (StiPS). Das Team Wissenschaft der SIGU-Plattform hat den Preis im Spotlight Oktober 2025 vorgestellt, war nun vor Ort in Berlin und berichtet über das Event.
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Background: Soziale Innovationen werden immer wichtiger
Soziale Innovationen gewinnen aktuell in vielen wichtigen gesellschaftlichen Teilbereichen an Bedeutung für die Zukunftsgestaltung. Zuletzt betonte der Innovators Club des Deutschen Städte- und Gemeindebunds die Bedeutung von Sozialen Innovationen für und in Kommunen und adressierte die Frage „Warum Soziale Innovationen jetzt wichtig sind“. Das Spotlight Mai 2025 wirft in diesem Sinne einen Blick auf den ländlichen Raum. Hochschulen wirken mit ihren drei Missionen – Forschung, Lehre und Transfer – ebenfalls und im besonderen Maße als zentrale Treiberinnen von Sozialen Innovationen. Studierende aus verschiedenen Disziplinen nähern sich dem Thema aus vielfältigen Perspektiven und werden selbst zu wichtigen Impulsgebenden. Die Veranstaltung des BMFTR vermittelte ein gutes Bild, wie sich dieser Trend konkretisieren lässt. Im Rahmen der Preisverleihung präsentierte sich ein breites Spektrum hervorragender studentischer Projektansätze mit gesellschaftlicher Wirkung. Zudem hat die Veranstaltung Anregungen und Beispiele zur erfolgreichen Gründung aufgezeigt.
Impulsvortrag und Podium zur Praxis der Förderung, Beratung und Umsetzung
Eröffnet und moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Britta Gossel (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde – HNEE). Nach dem Grußwort von Nicole Burkhardt (Referatsleiterin, Referat S 15 – Strategische Vorausschau, Zukunftsforschung/BMFTR) erfolgte ein Impulsvortrag durch Kristina Notz (Social Entrepreneurship Akademie – SEA) mit anschließendem Podiumsgespräch zum Thema „Von der Idee zur Wirkung – Wie können Hochschulen Soziale Innovationen stärken? Einblicke in die Praxis der Förderung, Beratung und Umsetzung“. Es diskutierten Dr. Effrosyni Chelioti (Abteilungsleiterin Strategien Grundsatzfragen / BMFTR), Kirsten Kohlhaw (Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Gründungs-Coach Alice Salomon Hochschule Berlin, sowie Alexandra Ochs (Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU München und Projektleiterin startYOUtopia).
Verleihung des STiPS in vier Kategorien an zwölf herausragende Projekte
Anschließend folgte die Verleihung des StiPS, bei der das Referat „Strategische Vorausschau, Zukunftsforschung“ (BMFTR) zwölf herausragende studentische Projekte auszeichnete, die mit innovativen Ansätzen gesellschaftliche Herausforderungen adressieren. In einem vom Team Wissenschaft der SIGU-Plattform geführten Interview beschreibt Dr. Effrosyni Chelioti die Beweg- und Hintergründe rund um StiPS.
Aus 177 Bewerbungen wurden in vier Themenfeldern jeweils drei Preise (1., 2., 3. Preis) vergeben. Neben der Urkunde und StiPS-T-Shirts umfasste der Preis Coaching-Gutscheine zur Unterstützung der Gründungsabsichten. Außerdem haben die Preisträger:innen Preisgelder erhalten: 1. Preis – 10.000 EUR, 2. Preis – 5.000 EUR und 3. Preis – 2.500 EUR. Die Ehrung erfolgte in zwei Blöcken. Zunächst wurden die Preisträger:innen aus den Themenfeldern „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ sowie „Bildung und Arbeit der Zukunft“ durch Dr. Effrosyni Chelioti ausgezeichnet. Aufgelockert durch Einblicke in die Gründungserfahrung aus dem GDINNO-Förderkontext folgte der zweite Teil der Preisvergabe durch Nicole Burkhardt für die Themenfelder „Gesundheit der Pflege der Zukunft“ und „Teilhabe und Inklusion der Zukunft“.
WasteSide ist eine Plattform, die nachhaltiges Verhalten im Alltag fördert und messbar verändert. In der App sammeln Studierende Punkte, wenn sie etwa Fahrrad fahren, Second Hand shoppen oder vegan essen. Diese lassen sich bei lokalen Partnern wie Cafés, Bars oder Mensen gegen Rabatte einlösen. So fördert WasteSide einen nachhaltigeren Alltag der Studierenden, schafft Bewusstsein für Ressourcen und wirkt Verschwendung entgegen. Die Auszeichnung erhielt ein Team der Leibniz Universität Hannover.
UtilityTwin ist eine KI-Plattform, die kommunale Versorgungsunternehmen dabei unterstützt, verstreutes Wissen und veraltete Herangehensweisen zukunftsfähig zu machen. Mit modernen KI-Lösungen werden fragmentierte Daten in einem einzigen, kontextualisierten Wissensgraphen überführt, sodass die Pflege der Infrastruktur erleichtert und verbessert wird. Die Daten können dabei genauso von Sensoren wie von physischen Anlagen wie Rohren und Ventilen bis hin zu archivierten historischen Dokumenten stammen. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der Friedrich Alexander Universität Erlangen.
Die multifunktionalen Klimapaneele von iClimateTechnologies vereint nicht nur Heizung, Kühlung, Lüftung und Dämmung in einem ultradünnen Modul, sondern fördert auch bezahlbaren Wohnraum, schont Ressourcen und senkt CO2-Emissionen massiv. Somit bieten die Paneele eine skalierbare und ressourcenschonende Lösung, die etwa kommunalem Wohnungsbau, sozialen Trägern oder Genossenschaften eine preiswerte und technisch einfache Möglichkeit für energieeffizientes Bauen bietet und zugleich künftige Betriebskosten senkt. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der Technischen Universität Darmstadt.
Mit einer KI-gestützten App wird der Mathematikunterricht individuell gestaltet. Handschriftliche Rechenschritte werden auf einem Tablet mithilfe einer selbst entwickelten Handschriftenerkennung in Echtzeit erkannt und analysiert. Lernende erhalten sofort individuelles, adaptives Feedback. Gamification und integrierte Übersetzungen fördern Motivation und Zugänglichkeit. Über ein Dashboard erhalten Lehrende aggregierte Diagnosedaten zu Lernstanden und Förderbedarfen. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Wellplayd ist eine Softwarelösung zur Stärkung von Good Governance im Sport. Sie überführt entsprechende Anforderungen in interdisziplinär entwickelte, automatisierte und rechtssichere Prozesse für Vereine und Verbände. Sie dient der Vorbeugung von Machtmissbrauch, Korruption, Diskriminierung und interpersonaler Gewalt und schafft ein faires Sportvereinssystem. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Ein impliziter Lernmechanismus verbessert den Erwerb sprachlicher Strukturen insbesondere bei Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten. Durch gezielte vokale Schulung mit Popsongs werden unbewusste mentale Wiederholungen von Musik und Text angeregt. Diese stärken das Langzeitgedächtnis, die sprachliche Selbstwirksamkeit und die emotionale Lernbindung von 10- bis 17-Jährigen. Ausgezeichnet wurde ein Forscher der Universität Paderborn, der mit zwei Hochschulen in Hannover, einer in Freiburg sowie der University of Toronto kooperiert.
Das Projekt proSReMod stärkt das Ressourcenmanagement im Gesundheitswesen. Ein Echtzeit-Dashboard ermöglicht die bedarfsgerechte Steuerung von Intensiv- und Krankenhausbetten und verringert so die Diskrepanz zwischen verfügbaren Kapazitäten und Patientennachfrage in Pandemien und saisonalen Ausbrüchen. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der Hochschule Fulda.
Diese digitale Vermittlungsplattform bringt Patientinnen und Patienten mithilfe intelligenter Matching-Algorithmen mit passenden Therapeutinnen und Therapeuten zusammen. Sie unterstützt zudem bei Kostenerstattungsverfahren, wenn kein kassenfinanzierter Therapieplatz verfügbar ist. So verbessert sie das Matching und vereinfacht bürokratische Prozesse. Die Auszeichnung ging an ein Team an der RWTH Aachen.
Die digitale Prähabilitationsplattform bereitet Betroffene ganzheitlich auf eine OP vor. Besonders gefährdete Senior:innen erhalten über eine App individuell angepasste Übungen in den Bereichen Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit. Ein paralleles Klinik-Dashboard ermöglicht ein Monitoring des jeweiligen Fortschritts und bietet Ärzt:innen KI-gestützte Risikoprognosen und Empfehlungen. CE-zertifizierte Medizinsoftware, die Personal entlastet, Komplikationen reduziert und Krankenhausaufenthalte verkürzt. Ausgezeichnet wurde ein Team an der IU University of Applied Sciences Bad Honnef.
Ein intelligenter Einkaufswagen soll Menschen mit Sehbehinderungen oder vergleichbaren Einschränkungen beim Einkauf im Einzelhandel unterstützen. KI-basierte Navigation, Produkterkennung, haptisches Feedback und eine App-Anbindung fördern dabei die Selbständigkeit und Selbstbestimmung der Betroffenen. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der DHBW Stuttgart.
Eine App kombiniert digitales Matching mit Präsenztreffen, um Einsamkeit bei 15- bis 35-Jährigen zu überwinden. Sie bringt geeignete Personen zusammen und hilft, soziale Hürden abzubauen. Das Besondere an der App ist die explizite Ausrichtung auf die Überwindung von Einsamkeit. Ausgezeichnet wurde eine Studierende an der Technischen Hochschule Würzburg Schweinfurt, die mit mehreren Einrichtungen zur Umsetzung der Angebote kooperierte.
AdvoChat ist ein bundesweit skalierbares, KI-gestütztes Antragsassistenzsystem. Es erleichtert Kommunen, Länder und Bund den Zugang zu und die Bearbeitung von diversen Anträgen: Es erlaubt Fragen individuell , barrierefrei und mehrsprachig zu beantworten. Einerseits wird so die Antragstellung unterstützt, andererseits werden Behörden bezüglich der Antragsberatung und -bearbeitung entlastet. Die Auszeichnung erhielt ein Team an der Universität zu Köln.
Drei Beispiele für den Weg vom Projekt zur Gründung aus GDINNO
Drei Unternehmen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Gründung befinden, berichteten über ihren Weg vom Projekt zur Produktidee und zur Geschäftsgründung sowie von ihren aktuellen Skalierungsherausforderungen. Alle drei sind aus der 2025 abgeschlossenen Fördermaßnahme des BMFTR „Gesellschaft der Innovationen“ (GDINNO) hervorgegangen.
Darüber hinaus soll die App Informationen zu öffentlichen Räumen und ÖPNV bereitstellen, um Nutzende über Risiken und Schutzmöglichkeiten zu informieren, sodass sie ihre Wege und ihr Verhalten präventiv anpassen können. Der besondere Wert der Lösung als Soziale Innovation besteht darin, dass sie neuartige Kommunikations-, Informations- und Vernetzungsformen sowie Wege im öffentlichen Raum möglich macht. All das kann positiv zur Sicherheit in öffentlichen Räumen und im ÖPNV beitragen und dort das individuelle sowie kollektive Sicherheitsempfinden zu stärken.
Flock kann damit zur gesellschaftlichen Teilhabe vulnerabler Gruppen beitragen und deren Lebensqualität erhöhen. Das Angebot richtet sich zunächst an solche Gruppen, die ein besonders niedriges Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum aufweisen. Dazu gehören etwa FLINTA und queere Personen. Darüber hinaus kann es für weitere vulnerable Gruppen – etwa Seniorinnen und Senioren oder Menschen mit Behinderung – interessant sein, aber auch für Touristinnen und Touristen.
Prof. Dr. Britta Gossel und Dr. Christina Wildenauer (Referentin, Referat S 15 – Strategische Vorausschau, Zukunftsforschung / BMFTR) läuteten mit ihren Schlussbemerkungen das Ende des Events ein, das neben dem spannenden Programm auch viel Raum zum Netzwerken ermöglichte.
Bildhafte Impressionen von der StiPS-Verleihung










