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Für dieses Spotlight übergibt das Team Wissenschaft der SIGU-Plattform das Heft in die Hand des Innovators Club beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB). In einem „Friendly Takeover“ wirft der Innovators Club seinen Blick auf die Rolle von Kommunen, Ko-Produktion und Künstlicher Intelligenz (KI). Den Beitrag haben Sina Schiffer und Inga Friedel verfasst.

Sina Schiffer (27), studierte Politik und Gesellschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und ist beim Deutschen Städte- und Gemeindebund Referentin für das Projekt „Trittsicher in die Zukunft“. Zudem übernimmt sie Aufgaben der Social-Media Arbeit des Verbandes und unterstützt die Homepageredaktion des Innovators Club.
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Inga Friedel (27), studiert Philosophie im Master an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet als studentische Mitarbeiterin beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Dort übernimmt sie Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen, recherchiert zu Themen wie kommunalen Praxisbeispielen, Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung und verfasst zudem Beiträge für die Homepage des Innovators Clubs.
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Warum Soziale Innovationen jetzt wichtig sind!
Gesellschaftliche Veränderungen stellen Kommunen und deren Verwaltungen vor zunehmende Herausforderungen. Grund dafür sind unter anderem die demografische Entwicklung, die Alterung der Gesellschaft, der Fachkräftemangel, die wachsende soziale Ungleichheit und die Digitalisierung alltäglicher Bedarfe. Angesichts dieser Entwicklungen bedarf es neuartiger Ansätze, die über klassische, bisherige Lösungen oder Strategien hinausgehen. Der Wunsch nach effizienten und bürgernahen Routinen nimmt daher zu. Inwieweit Soziale Innovationen gesamtgesellschaftliche Herausforderungen bewältigen können oder sogar als Motor gesellschaftlichen Wandels gelten können, soll der folgende Beitrag aufzeigen.
Der DStGB vertritt die Interessen der deutschen Städte und Gemeinden. Auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene gibt dieser den Kommunen eine starke Stimme. Durch 17 Mitgliedsverbände sind 11.000 große, mittlere und kleinere Kommunen über den Verband organisiert und vernetzt. Der DStGB arbeitet parteiunabhängig und ohne staatliche Zuschüsse. Die Besetzung der Organe orientiert sich an dem Votum der Wähler bei den Kommunalwahlen.
Der vom DStGB initiierte Innovators Club befasst sich mit strategischen Zukunftsthemen der Kommunen wie Bildung, Klima, Energie, Stadtentwicklung, Kommunikation, IT und Kooperation. Im Innovators Club arbeiten rund 60 Oberbürgermeister:innen, Bürgermeister:innen, Landrätinnen und Landräte sowie Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft interdisziplinär zusammen. Es ist das ausdrückliche Ziel der Arbeit des Innovators Club, über die Tagespolitik hinaus zu denken und neue Wege für die kommunale Arbeit aufzuzeigen. Der Innovators Club ist somit eine Plattform für den Austausch von Visionen, Ideen, Erfahrungen und zahlreichen Konzepten – die kommunale Ideenschmiede des DStGB.

Soziale Innovationen: Eine Definition aus Sicht des Innovators Club
Soziale Innovationen sind neuartige Ansätze, Strategien oder Modelle, die das Ziel haben, gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen zu lösen und die Lebensqualität vor Ort zu sichern sowie zu erhöhen. Dabei sollen Soziale Innovationen Technik, Mensch und Organisation so verzahnen, dass auch sozialer Fortschritt erzielt wird. Sie fördern eine neue Form der Zusammenarbeit mit Bürger:innen, Start-Ups, gemeinnützigen Vereinen und Organisationen und sozialen Unternehmen. Soziale Innovationen besitzen eine große thematische Bandbreite und können in verschiedenen Bereichen, wie Gesundheitswesen, Bildung, Umweltschutz, Armutsbekämpfung sowie soziale Integration auftreten. Als Formen der Sozialen Innovation gelten beispielsweise Sozialversicherung, Krankenpflege, Frauenrechte, Umweltbewegungen, soziale Netzwerke, Carsharing, Coworking, Mobile Banking, sowie Mehrgenerationenhäuser.
Soziale Innovationen im Öffentlichen Sektor
Öffentliche Organisationen befinden sich in einem weitreichenden Prozess der digitalen Transformation. Kennzeichnend ist, dass sich auf Basis neuer digitaler Technologien wie beispielsweise elektronischer Akten oder der Bereitstellung neuer Verwaltungsdienstleistungen für Bürger:innen (etwa digitale Bürgerportale) nicht nur einzelne Verwaltungsaufgaben oder -tätigkeiten verändern, sondern die Verwaltung als Organisation in ihrer Gesamtkomplexität. Notwendig werden unter anderem die Überarbeitung und Anpassung bestehender Arbeitsprozesse, die Entwicklung neuer Aufgabenprofile für die Organisation, sowie eine neue, auf die Digitalisierung ausgerichtete Gestaltung der Personal- und Kompetenzentwicklung innerhalb der Verwaltung. Zusätzlich erzeugen die Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene durch Gesetze wie das Onlinezugangsgesetz (OZG) oder das E-Government-Gesetz Nordrhein-Westfalen(EGovG NRW) Handlungsdruck für den öffentlichen Sektor, indem sie enge zeitliche Fristen für die Umsetzung der Digitalisierung von öffentlicher Verwaltung setzen.
Parallel dazu sind öffentliche Verwaltungen mit einer sich zunehmend dynamisch verändernden und instabilen Umwelt konfrontiert (Richenhagen et al. 2018), die weitere herausfordernde und teilweise widersprüchliche Anforderungen und Ansprüche an den öffentlichen Sektor stellt. Einerseits müssen öffentliche Organisationen schnell und flexibel auf disruptive Ereignisse wie Naturkatastrophen, Migrationsbewegungen oder Terrorismus reagieren können, um diese erfolgreich zu bewältigen. Andererseits ist es die Kernanforderung des öffentlichen Sektors, seine hoheitlichen Aufgaben fehlerfrei und den gesetzlichen Bestimmungen folgend zu erfüllen und somit der Bevölkerung und allen gesellschaftlichen Institutionen kontinuierlich Stabilität und Zuverlässigkeit für deren Handeln zu bieten. Um diesen vielfältigen und komplexen Anforderungen gerecht zu werden, ist es laut Verwaltungswissenschaftlern wie Hill (2015) oder Thom und Ritz (2017) erforderlich, dass öffentliche Organisationen ein höheres Maß an Innovationsfähigkeit erreichen. Denn nicht alle oben skizzierten Anforderungen lassen sich allein durch technologische Innovationen bewältigen. Sie erfordern ebenso die Entwicklung neuer sozialer Praktiken, also Soziale Innovationen.

Die Rolle der Kommunalverwaltung: Akteurin und Ermöglicherin
Das Setting Kommune nimmt im Prozess der Umsetzung Sozialer Innovationen als Ort der Beratung und Begegnung eine zentrale Rolle ein. Neue gesellschaftliche Praktiken und Organisationsformen, die dazu beitragen, nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln, sollen möglichst bürgernah und an den lokalen Bedürfnissen orientiert umgesetzt werden. Mit der direkten Ansprache der Bürger:innen können diese aktiv in Entscheidungsprozesse einbezogen werden und Kommunen können somit die Grundlage für soziale Netzwerke schaffen. Nicht zuletzt nehmen kommunal verankerte Institutionen und Einrichtungen, wie zum Beispiel Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser und Bürgerinitiativen, (als Begegnungsorte) eine zentrale Rolle bei der Konzeption und Realisierung von Sozialen Innovationen ein. Diese drücken sich in zahlreichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Neuerungen aus, wobei die Kommune immer als verbindendes Element unterschiedlicher Lebenswelten dienen kann – als Schnittstelle zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
Kommunalverwaltungen sind dabei nicht nur Verwaltungsakteurinnen, sondern zudem auch aktive Gestalterinnen und Ermöglicherinnen Sozialer Innovationen. Ersteres kann unterschiedlich ausgeleg(b)t werden, wie zum Beispiel durch die Entwicklung eigener innovativer Projekte/ Programme sowie durch das Initiieren von Modell- und Pilotprojekten. Als Ermöglicherin kann die Kommune insbesondere den Ausbau bereits bestehender Netzwerke, wie Nicht-Regierungsorganisationen, Bürgerdialoge oder Stadtlabore unterstützen. Diese benannte Unterstützung kann auf diverse Weise vollzogen werden: Räume und Ressourcen bereitstellen, offen sein für neue Methoden und Projekte und somit Zusammenarbeit ermöglichen. Doch noch immer stoßen Kommunalverwaltungen in der Praxis auf Hürden – die bürokratischen Vorgehensweisen und der Ressourcenmangel in den Verwaltungen stellen dabei wesentliche Gründe dar. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, bedarf es unter anderem Rückhalt durch den:die Bürgermeister:in, eine Innovationskultur und die Einbindung der Zivilgesellschaft von Beginn an. Evaluation, Feedback und Anpassung spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle. Weiter noch, es braucht eine Vernetzung der unterschiedlichen Lebenswelten, darunter fallen unter anderem Schulen, Freizeiteinrichtungen, Kitas oder Vereine. Die Kommunalverwaltungen und die benannten Institutionen kommen dann unter dem Dachsetting Kommune zusammen, sodass diese partizipativ an bedarfsgerechten Lösungen arbeiten. Voraussetzung dafür ist vor allem ein Kulturwandel innerhalb der Verwaltung hin zu mehr Offenheit, Partizipation und Lernbereitschaft.
Welche SI-Kompetenzen brauchen Kommunalverwaltungen?
Kommunalverwaltungen nehmen bei der Umsetzung und Unterstützung Sozialer Innovationen eine übergeordnete Rolle ein, wobei es unterschiedlicher Kompetenzen bedarf.
Zunächst geht es darum, Herausforderungen und Planungsbedarfe zu erkennen. Dies kann als methodische Kompetenz zusammengefasst werden. Damit dies gelingen kann, erfordert es die Fähigkeit, mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen, Sozialunternehmen, den Bürger:innen, der Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzuarbeiten. Damit einher geht ebenfalls die Kompetenz, Beteiligungsprozesse zu gestalten und zu ermöglichen sowie eine inklusive Partizipation zu gewährleisten. Das heißt auch, dass vulnerable Gruppen bei der Entwicklung Sozialer Innovationen nicht außen vorgelassen werden. Schließlich können Soziale Innovationen nur funktionieren, wenn Kommunalverwaltungen strategisch handeln. Im Konkreten braucht dies eine strategische Ausrichtung der Kommunen, sodass Innovationen langfristig etabliert werden. Dazu zählt ebenso ein Verständnis von intersektoraler sowie interkommunaler Zusammenarbeit, und gleichzeitig dessen Förderung.

Gesellschaftliche Ko-Produktion: Interdisziplinäre Zusammenarbeit am Beispiel vom Innovators Club
Um Fortschritte zu erzielen und komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu begegnen, braucht es oftmals einen Perspektivwechsel und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Sektoren. Die Erfahrungen der Verbandsarbeit zeigen: Am meisten lernt man von den Bürger:innen vor Ort, sodass langfristige Netzwerkstrukturen aufgebaut und verstetigt werden. Das gilt ebenso für den Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen und Berufsfeldern. Die Politik profitiert von der Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, ebenso wie Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft von der Politik profitieren können. Die Komplexität gesellschaftlicher Probleme setzt die Zusammenarbeit unterschiedlicher Sektoren voraus. Dabei geht es unter anderem um Ressourcen- und Wissensbündelung, die bei der Umsetzung Sozialer Innovationen von Bedeutung sein kann.
Soziale Innovationen und Interdisziplinarität müssen daher zusammengedacht werden. Konkret setzt dies der Innovators Club des DStGB seit über 21 Jahren um. Als das ausdrückliche Ziel definiert der Innovators Club, innovative Wege für die kommunale Zusammenarbeit aufzuzeigen. Der besondere Charakter des Innovators Clubs zeichnet sich durch den Austausch und die Diskussion auf Augenhöhe, die Entwicklung von Ideen und Visionen und den Mut, Neues und Ungewisses zu erproben, aus. In zahlreichen Pilotprojekten hat er die Anwendung neuer Technologien erprobt, politische Konzepte entwickelt und auf diese Weise wichtige Impulse für mehr Lebensqualität vor Ort setzen können. Die Arbeit des Innovators Club besteht unter anderem aus themenrelevanten Veranstaltungen und Tagungen, die den Meinungs- und Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern dienen.
2012 initiierte der Innovators Club das Pilotprojekt „Usingen gestalten“, das drei Monate andauerte. Die Bürger:innen waren aufgerufen, ihre Vorschläge und Anregungen auf einer neu geschaffenen Internetplattform darzustellen und die dort vorhandenen Ideen zu diskutieren und zu bewerten. Die Vorschläge reichten von konkreten Verbesserungen wie etwa der Aufstellung eines Klettergerüstes auf einem Spielplatz, bis hin zu völlig neuen Anregungen, beispielsweise die Anlage einer Streuobstwiese oder eines neuen Radweges. Das Ziel war, dass die lokale Politik die Anregungen und Ideen der Bürger:innen aufgreifen sollten, sofern sie machbar und finanzierbar waren.
Jüngst hat der Innovators Club gemeinsam mit Microsoft Deutschland eine Webcast-Reihe für die Öffentliche Verwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) veröffentlicht. Hintergrund dafür ist die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für die Gesamtgesellschaft, und nicht zuletzt die Öffentliche Verwaltung. In zehn Webcasts vermittelt die Reihe in einem 14-tägigen Rhythmus Grundlagen zu KI sowie konkrete Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Die Webcast-Reihe richtet sich an Fachkräfte aus der Öffentlichen Verwaltung, die KI bereits nutzen, ebenso wie an Interessierte, die erste Berührungspunkte suchen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die digitale Transformation zu schaffen und Beschäftigte im Öffentlichen Sektor bei der sicheren und effektiven Nutzung von KI zu unterstützen.
Die Rolle von KI in Bezug auf Soziale Innovationen
Neue technologische Entwicklungen stellen Gesellschaft und Verwaltung immer wieder vor große Herausforderungen – dazu gehört auch der Umgang mit KI. Wie können Kommunen verantwortungsvoll mit dieser Technologie umgehen? Wo liegen die Risiken, wo die Chancen?
Der Einsatz von KI wird Wirtschaft und Gesellschaft weltweit tiefgreifend verändern. Befürworter betonen Potenziale wie effizientere Arbeitsabläufe, die Entlastung menschlicher Tätigkeiten und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Kritiker hingegen warnen vor mangelnder Kontrollierbarkeit, dem Verlust von Arbeitsplätzen und Risiken für den Datenschutz. Doch jenseits der Risiken stellt sich vor allem die Frage, wie KI sinnvoll genutzt werden kann – insbesondere auf kommunaler Ebene. Städte und Gemeinden stehen vor der Herausforderung, technologische Innovationen so einzusetzen, dass sie den Alltag der Bürger:innen erleichtern und Verwaltungsprozesse effizienter gestalten. Technologische Innovationen wie KI und Soziale Innovationen schließen sich nicht aus.
Ein zentrales Einsatzfeld ist dabei die Zugänglichkeit zu Wissen und Daten. KI kann dazu beitragen, Informationen für Bürger:innen verständlicher und leichter auffindbar zu machen. Ein Beispiel ist der Chatbot „Frag Hardi“ der Stadt Heidelberg: Als digitaler Assistent unterstützt er Nutzer:innen bei Fragen rund um städtische Dienstleistungen und erleichtert so den Zugang zum digitalen Rathaus.
Ein weiteres zentrales Einsatzfeld von Künstlicher Intelligenz liegt im Abbau von Hürden und der Förderung von Barrierefreiheit. Besonders für gehörlose oder schwerhörige Menschen kann KI dazu beitragen, den Zugang zu Informationen und öffentlichen Dienstleistungen deutlich zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist das Projekt AVASAG – der „Avatar-basierte Sprachassistent zur automatisierten Gebärdenübersetzung“. Es handelt sich um das derzeit größte KI-Projekt zur Deutschen Gebärdensprache. Ziel ist es, zentrale Informationen des öffentlichen Dienstes – etwa Fahrplanhinweise im Nahverkehr oder Mitteilungen von Kommunen – barrierefrei zugänglich zu machen.
Ein besonders vielversprechendes Feld ist die Automatisierung von Routinetätigkeiten. KI-gesteuerte Roboter können Aufgaben wie das Reinigen von Räumen, den Transport von Gegenständen oder die Zubereitung von Mahlzeiten übernehmen. Dadurch bleibt Pflegekräften mehr Zeit für das, was wirklich zählt: persönliche Zuwendung, emotionale Begleitung und komplexe Pflegesituationen.
Relevanz für Forschung und Wissenstransfer
Forschung kann abbilden, was ist. Studien, Datenerfassung, repräsentative Erhebungen. All diese Mittel braucht es, um zu analysieren, was der Ist-Zustand ist, wo es Herausforderungen gibt und was von der Politik unternommen werden kann, um Lösungen zu erarbeiten.
Der DStGB ist als politischer Verband auf Studien angewiesen, um Positionen glaubhaft zu untermauern. Beispielsweise bestätigte 2024 die Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) die DStGB-Forderung nach einer Einführung einer Gemeinschaftsaufgabe zur Klimaschutzfinanzierung. Die Difu hat hier im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland untersucht, wie die nötigen Gelder ziel- und wirkungsorientiert an die Kommunen verteilt werden können und wog dazu zwei Konzepte gegeneinander ab: die Einführung einer neuen „Gemeinschaftsaufgabe Klimaschutz“ im Grundgesetz und die Umverteilung von Umsatzsteuereinnahmen zugunsten der Kommunen. Da für die Gemeinschaftsaufgabe das Grundgesetz mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament geändert werden muss, erschien die Umsatzsteuerlösung als einfache Gesetzänderung auf den ersten Blick attraktiv. Die Untersuchung zeigte indes: Eine Gemeinschaftsaufgabe wäre aus vielen Gründen einer Umsatzsteuerumverteilung klar vorzuziehen. Dieses Beispiel zeigt, Forschung kann politische Forderungen nicht nur argumentativ unterfüttern, sondern dazu beitragen, dass Politik die besten Lösungen für das Wohl der Bürger:innen findet.
Nicht zuletzt zeigt das den Bürger:innen in Deutschland, dass auf einer sachlichen Grundlage transparente Entscheidungen zum Gemeinwohl getroffen werden. Somit fördern Beiträge aus der Forschung immer auch Demokratie: Wenn Bürger:innen merken, dass Entscheidungen auf einer rationalen, fundierten Grundlage getroffen werden, erzeugt dies Vertrauen in den Staat und dessen Entscheidungen. Für die Gesellschaft ist es oftmals schwierig die unterschiedlichen Politikebenen (Bund-, Landes- und Kommunalebene) auseinander zu halten und Entscheidungen nachzuvollziehen. Umso wichtiger ist es, insbesondere vor Ort, in den Kommunen, wo die Menschen politische Entscheidungen ganz direkt mitbekommen, Politik transparent und einsichtig zu machen. Dies ist durch die Unterstützung der Forschung, der Vernetzung aller unterschiedlichen Disziplinen und Bereichen und der Übersetzung der manchmal schwer zu verstehenden Inhalte durch die Politik und Medien erreichbar.
Ein Fazit des Innovators Club
Soziale Innovationen sind nicht nur wünschenswert, sondern unverzichtbar, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Sie sind flexibel, werden bürgernah umgesetzt und stärken somit das demokratische Miteinander, was dazu führen kann, dass eine Verbesserung des Miteinanders in der Gesellschaft erreicht wird. Viele solcher Ansätze entstehen bereits in der Zivilgesellschaft – die Aufgabe der Politik und Wissenschaft ist es dann, sie weiterzuentwickeln und zu verstetigen. Gleichzeitig müssen Soziale Innovationen gezielt auf technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz abgestimmt werden, um gesellschaftlichen Fortschritt verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu gestalten. Dabei sollten die primären Ziele wie Bürgerbeteiligung, Inklusion und Teilhabe, Effizienzsteigerung von Prozessen und die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft immer im Fokus bleiben. Es geht immer darum, nachhaltige Verbesserungen der Lebensqualität zu erreichen. Kommunalverwaltungen nehmen dabei eine übergeordnete Rolle ein und können als verbindendes Element verschiedener Lebenswelten gelten. Sie sind dabei Gestalterin und Ermöglicherin Sozialer Innovationen – der Motor für Veränderung und Verstetigung vor Ort.
Literatur:
- Hill H (2015) Wirksam verwalten – Agilität als Paradigma der Veränderung. Verwaltungs-Archiv 106: 397-416.
- Richenhagen G, Kohnen L, Lahn A, Hacker R (2018): Mit Strategischem Kompetenzmanagement zu mehr Agilität im öffentlichen Sektor. In: GfA (Hrsg.): Arbeit(s).Wissen.Schaf (f)t – Grundlage für Management & Kompetenzentwicklung. Dokumentation des 64. Arbeitswissenschaftlichen Kongresses an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management vom 21.02.-23.02.2018. Dortmund: GfA-Press, Beitrag C.5.5.
- Thom N, Ritz A (2017) Public Management. Innovative Konzepte zur Führung im öffentlichen Sektor. Wiesbaden: Springer.
Bild- und Videoquellen:
- Titelbild: InoStudiox – stock.adobe
- Logo Innovators Club: https://www.innovatorsclub.de/
- Stadtplan mit Händen: https://de.freepik.com/fotos-kostenlos/schliessen-sie-herauf-haende-die-kleine-fahnen haben_13624401.htm#fromView=search&page=1&position=9&uuid=74828515-71ae-457d-8aa7-5cacec405c4c&query=Stadtverwaltung
- Deutschlandforum „Jetzt“: https://www.dstgb-gmbh.de/projekte/innovators-club/
- AVASAG: https://vimeo.com/672708263




