Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen gewinnen in ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Communities und Disziplinen zunehmend an Bedeutung. Ein Rückblick auf das Konferenzjahr 2025 zeigt: „Social Innovation“, „Social Enterprises and Entrepreneurship“ oder „Social Impact Assessment“ entwickeln sich an vielen Stellen zu zentralen Bausteinen wissenschaftlicher Diskurse. Wir blicken zurück auf einige dieser Konferenzen und Netzwerktreffen des Jahres: spannende Veranstaltungen in ganz unterschiedlicher disziplinärer Ausrichtung, einige traditionell akademisch, andere unmittelbar praxisrelevant.
Neben Lehrveranstaltungen und Veröffentlichungen großer Forschungsprogramme strukturieren wissenschaftliche Konferenzen und Fachtagungen das Arbeitsjahr von Wissenschaftler:innen. Zu beobachten ist, dass immer mehr wissenschaftliche Konferenzen um transdisziplinäre Elemente wie Praxis-Sessions, Exkursionen und Keynotes aus der Praxis erweitert werden oder sich trotz einer starken Fokussierung auf Grundlagenforschung doch zunehmend für Beiträge öffnen, die anwendungsorientierte Projektarbeit bis hin zu Lehrformaten mit Bezug zu gesellschaftlichen Herausforderungen reflektieren. Bis vor einigen Jahren noch die absolute Ausnahme, finden sich inzwischen auch zunehmend Konferenzen im Kalender, die den Transfer und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch die Wissenschaft in den Vordergrund rücken. Soziale Innovationen spielen dabei nicht nur auf designierten Konferenzen für den Austausch über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wie der International Social Innovation Research Conference, sondern auch auf thematisch breit konzipierten Konferenzen wie dem Academy of Management Annual Meeting eine wachsende Rolle, die Forschende verschiedener Disziplinen anzieht. Neben der Präsentation der eigenen Forschung und der Diskussion von Ansätzen anderer Forschender nutzen Wissenschaftler:innen solche Konferenzen traditionell zur Vernetzung, suchen nach gemeinsamen Forschungsinteressen und Kooperationsmöglichkeiten. So entstehen nicht selten konkrete gemeinsame Projekte. In einer Rückschau auf das langsam zu Ende gehende Wissenschaftsjahr wirft dieses Spotlight einen exemplarischen Blick auf einige Konferenzen der vergangenen Monate und beschreibt, welche Rolle SIGUs auf diesen Veranstaltungen gespielt haben und welche Highlights es gab.
Für eine Vorschau auf das Konferenzjahr 2026 nimmt das Team Wissenschaft der SIGU-Plattform gerne Hinweise für weitere beachtenswerte Konferenzen für das Netzwerk Wissenschaft über wissenschaft@sigu-plattform.de an. Über das Inhaltsverzeichnis unten können einzelne Konferenzen angewählt werden. Ganz unten finden Sie einen Call-to-Action, der interessant für Sie sein könnte.
PUBSIC: Public Innovation for Societal Transformation
5. bis 7. Februar in Utrecht, Niederlande
Die 7. PUBSIC-Konferenz (Innovation in Public Services and Public Policy Conference) wurde von der Utrecht University School of Governance veranstaltet und hat sich in diesem Jahr speziell mit dem öffentlichen Sektor als Motor Sozialer Innovationen und sozialen Wandels beschäftigt. Neben den drei Schwerpunkten zur Innovation für sozialen, nachhaltigen und digitalen Wandel gab es auch die Möglichkeit, Paper vorzustellen, die die drei Themen miteinander verbinden oder transdisziplinär sind. So wurde etwa die “dunkle Seite“ von Innovation beleuchtet genauso wie Kollaboration und Open Innovation. Autor:innen hatten die Möglichkeit, Forschung zu präsentieren, die eigene Nischen belegt, wie etwa das Framework „Public Sector Social Innovation Orientation“, das Katrin Bauer (TU Dortmund) aus dem Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform vorgestellt hat und das auf einer Theorie aus der Management-Forschung aufbaut. Das interaktive Format – jede:r Autor:in muss alle Paper aus der Session diskutieren – schuf einen tiefgehenden Dialog zum brennenden Thema der Rolle des öffentlichen Sektors für den sozialen Wandel durch Soziale Innovationen. Die Konferenz markierte einen guten Start in das Wissenschaftsjahr für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen.
Eu-SPRI Annual Conference
11. bis 13. Juni in Dortmund
Vom 11. bis 13. Juni 2025 fand die Jahrestagung des Eu-SPRI Forums (European Forum for Studies of Policies for Research and Innovation) an der Technischen Universität Dortmund statt. In 33 thematischen Tracks wurden Forschungsthemen rund um Innovations- und Forschungspolitik nach Schwerpunkten gesammelt und unter dem Konferenzthema „Shaping Societal Futures with STI Policies“ diskutiert. Dabei fokussierte etwa Topic 04 die Rolle von Sozialen Innovationen für die Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklung und Topic 07 fragte explizit nach der Rolle von Universitäten dabei. Das Team Wissenschaft der SIGU-Plattform, vertreten durch Marthe Zirngiebl und Katrin Bauer (beide TU Dortmund), hat hierzu seine Forschung zur Durchdringung des Feldes Sozialer Innovationen in der deutschen Hochschullandschaft vorgestellt, dabei gute neue Ideen hinzugewonnen undinspirierende Diskussionen ausgelöst. Zahlreiche Wissenschaftler:innen aus dem Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform waren darüber hinaus mit Beiträgen beteiligt. Judith Terstriep (IAT) stellte gemeinsam mit Marius Angstmann den Beitrag „Towards Context-Sensitive Transformative Innovation Policies: Harnessing the Power of Societal Innovativeness“ vor. Stefan Böschen (RWTH Aachen & Käte-Hamburger-Kolleg Kulturen des Forschens) präsentierte zusammen mit Stefan John und Julia Backhaus (beide RWTH Aachen) den Beitrag „The Universities’ Role in Shaping Futures – Living Labs as New Ways of Doing (Sustainable) Science?“. Matthias Weber (Austrian Institute of Technology) und Attila Havas (University of Debrecen) legten mit „The Role of Foresight in Goal-Oriented Transformative Change Processes“ einen Fokus auf die strategische Bedeutung von Zukunftsanalysen (Foresight) für transformative Innovationsprozesse.
Darüber hinaus beleuchteten jeweils zwei Keynotes und Panels aktuelle Entwicklungen der europäischen Forschungs- und Innovationspolitik genauer. Zudem wurde in einem eintägigen Early Career Event am 10. Juni Nachwuchswissenschaftler:innen die Möglichkeit gegeben, die gesellschaftliche Wirkung ihrer Forschung gemeinsam mit erfahrenen Kolleg:innen zu reflektieren. Die Konferenz endete in einem spannenden Rahmen und Umfeld mit einer Abschlussveranstaltung zwischen Elektrolichtbogenofen und Straßenbahnen in der Stahlhalle der Deutschen Arbeitsschutzausstellung (DASA) in Dortmund.
ISA-Forum
6. bis 11. Juli in Rabat, Marokko
„Gerechtigkeit im Anthropozän“ war das übergreifende Thema des diesjährigen Forums der „International Sociological Association“ (ISA), das vom 6. bis 11. Juli in Rabat, Marokko, ausgerichtet wurde. Die internationale Soziologiekonferenz zog 4.842 Forscherinnen und Forscher aus 112 Ländern an und fand erstmals in dem nordafrikanischen Land, einer wichtigen Schnittstelle der Zivilisationen des Mittelmeerraums, des Nahen Ostens und Afrikas, statt.
Mit dem Begriff des Anthropozäns stellte die Konferenz die durch menschliche Aktivitäten – Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung oder den Ausstoß von Treibhausgasen – bedingten komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen und damit verbundene Gerechtigkeitsfragen in den Mittelpunkt. Während die sozialwissenschaftliche Innovationsforschung bereits seit längerem Beiträge zu den Aktivitäten des ISA-Netzwerks liefert, gewinnt nun auch das Thema Soziale Innovation zunehmend an Bedeutung. Beispielhaft hierfür steht die Podiumsdiskussion zum Thema „Eine transformative Perspektive auf soziale Innovation in der Hochschulbildung”. Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden hierzu Fallstudien aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Japan, Kasachstan und anderen Ländern. Im Rahmen des Panels „Soziale Innovation im globalen Norden und Süden” stellten unter anderem Karina Maldonado-Mariscal (erweitertes Netzwerk Wissenschaft, TU Dortmund) und Christoph Kaletka (TU Dortmund) aktuelle Forschungsergebnisse vor. Hier entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in der innovationspolitische Perspektiven insbesondere zur Bedeutung Sozialer Innovation für die Bewältigung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen thematisiert wurden.
Academy of Management Annual Meeting
25. bis 29. Juli in Kopenhagen, Dänemark
Zum ersten Mal außerhalb Nordamerikas fand das jährliche Academy of Management Annual Meeting dieses Mal in Kopenhagen, organisiert von der Copenhagen Business School, statt. An dieser historisch größten Veranstaltung in der Geschichte der AOM nahmen mehr als 13.400 Wissenschaftler:innen teil, darunter 3.428 aus den USA und 9.297 aus aller Welt, was die lebendige internationale Gemeinschaft der AOM unterstreicht (Quelle: AOM). Während Name und Beschreibung der Ausrichtung der Konferenz unter Umständen eine Exklusivität für Management- und Organisationsforschung vermuten lassen, öffnet sich die Konferenz seit Jahren schon auch für andere Disziplinen und Nischenforschung. Das Thema Soziale Innovationen war in zahlreichen Beiträgen und größeren Panels durch seine internationale Community vertreten, etwa im Panel „Teaching Social Innovation: Integrating Teaching and Research for Societal Impact”, in dem Johanna Mair (Hertie School of Governance) und Sophie Bacq (International Institute for Management Development) mitdiskutiert haben, oder „Fostering Social Innovations with and for Communities“ und „Universities on a Mission: How to Strengthen Ecosystems for Social Value Creation“. Papersessions mit Beiträgen wie „Reconfiguring University Business Models: A Contingency Perspective on Social Impact” (James A. Cunningham, Erik Lehmann, Matthias Menter, Emilie Neye, Richard B. Nyuur und Felix Starke) oder „From Fragmentation to Integration: A Meta-Synthesis and Roadmap for Impact Entrepreneurship” (Viktoria Luise Unger, Esther Salvi, Jelena Spanjol und Ali Aslan Gümüşay) ergänzten das Programm rund um Soziale Innovationen, Social Entrepreneurship und Impact, genauso wie Postersessions, in denen das Team und Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform, vertreten durch Katrin Bauer (TU Dortmund), die Forschung zur deutschen Hochschullandschaft unter dem Titel „Socially Innovative Higher Education Institutions: The Role of Diffusion and HEI Size“ aus der SIGU-Plattform vorstellte.
Neben den Paper- und Postersessions sowie Panels finden auf der „AOM“, wie das AOM Annual Meeting abgekürzt wird, eine Vielzahl an Konsortien für Forschende aller Erfahrungsstufen (Early, Mid und Late Career) sowie in fast allen Divisionen und sogenannten Interest Groups statt, in der sich die Mitglieder der Academy of Management entlang von Forschungs- und Interessenschwerpunkten organisieren. Darüber hinaus gibt es eine Vielfalt von Professional Development Workshops („PDWs“), in denen Forschende zu bestimmten Themen und teils kompetitiv mit Zulassungsverfahren ihre Forschung nicht nur vorstellen, sondern auch mit erfahrenen Mentor:innen diskutieren und optimieren können. Aus dem Netzwerk Wissenschaft hat Katrin Bauer in einem kompetitiven PDW ihre Forschung mit dem Blick auf Umgang des öffentlichen Sektors mit den großen Herausforderungen unserer Zeit mit ihren internationalen Mentor:innen diskutiert. Erkenntnisse fließen nun in die weitere Arbeit im Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform ein.
International Social Innovation Research Conference
3. bis 5. September in Calgary, Kanada
Die wohl älteste speziell auf Soziale Innovationen fokussierte Konferenz, die International Social Innovation Research Conference (ISIRC) fand in diesem Jahr an der University of Calgary (Alberta, Kanada) statt. Bereits zum 17. Mal kamen auf dieser Konferenz Wissenschaftler:innen zusammen. Im Spotlight Oktober des vergangenen Jahres berichteten Teilnehmende aus dem Netzwerk Wissenschaft bereits, welche Bedeutung die Konferenz für sie hat und wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Zu den Teilnehmenden der ISIRC gehören regelmäßig neben der Wissenschaft aber auch Politiker:innen, die Zivilgesellschaft, Intermediäre und solche Menschen Innovator:innen aus diesen Feldern.
In ihrem Vortrag stellten Peter Milley und Daphne Varghese (Universität Ottawa), die bereits 2020 durch eine Analyse von Webauftritten kanadischer Hochschulen den Status Quo der Schwerpunktsetzung zu Sozialen Innovationen in Kanada abgebildet hatten, nun ihre aufbauende Untersuchung dazu vor, wie sich das Konzept in der kanadischen Hochschullandschaft inzwischen weiter verbreitet. Passend dazu schloss sich die Präsentation des SIGU-Teams Wissenschaft durch Katrin Bauer und Marthe Zirngiebl (beide TU Dortmund) an, die den aktuellen Stand der Erhebung zu Sozialen Innovationen in der deutschen Hochschullandschaft vorstellten. Die Begegnungen zwischen Wissenschaftler:innen und der Austausch, der durch die ISIRC ermöglicht wird, verdeutlichen jedes Jahr, dass, obwohl Soziale Innovationen in der Praxis und auch Forschung lokal oder national verankert sind, sich die Herausforderungen und Chancen in vielen Fällen ähneln. Der internationale Diskurs ermöglicht es dabei, von den Erfahrungen anderer Länder und Kontexte zu lernen. Nicht zuletzt durch den diesjährigen Ausrichtungsort in Kanada und die koloniale Geschichte des Landes widmete sich zum ersten Mal ein ganzer Stream dem Thema indigener Sozialer Innovation. Chair Katherine McGowan (Mount Royal University) betonte, nur Präsentationen ausgewählt zu haben, die auf Augenhöhe mit indigenen Wissenschaftler:innen oder Praxispartner:innen entstanden waren. Alle Präsentationen betonten die Notwendigkeit, indigenes Wissen anzuerkennen und mit anderen Wissensformen zu verflechten. In ihren Schilderungen geeignete Indikatoren für die Lebensqualität einer indigenen Gemeinschaft in Australien zu entwickeln, veranschaulichte Joanna Paulynn Masangkay (Middlesex University), wie solch ein co-kreatives Vorgehen aussehen kann und schlug sogleich die Brücke zum Stream von Judith Terstriep (IAT) und Georg Mildenberger (Universität Heidelberg), beide aus dem erweiterten Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform, in dem verschiedene Facetten der Messung von Social Impact vorgestellt und diskutiert wurden.

Daneben war das Netzwerk Wissenschaft durch zahlreiche Vorträge auf der diesjährigen ISIRC vertreten. So präsentierte Elisabeth Unterfrauner (Zentrum für Soziale Innovation) ihren Beitrag „Young Citizen Scientists in Health: Can the Involvement of Pupils in Citizen Science Become a Social Innovation?“. Maria Rabadjieva stellte unter dem Titel „Bridging the Gap: Advancing Social Innovation Diffusion through Practice Fields“ Ansätze zur Förderung von Diffusionsprozessen Sozialer Innovationen vor. Michael Kriegel (TH Rosenheim, mit Sarah Baumann und Stephanie Kapitza) präsentierte seinen Beitrag „Embracing Complexity – Peer-organizing & Action Research in Social and Responsible Entrepreneurship“.
Mehrere Keynotes bildeten Highlights des Konferenzprogramms. So hielt Jürgen Howaldt, Direktor der Sozialforschungsstelle an der TU Dortmund, eine Keynote mit dem Titel „Shaping Society with Social Innovation“ und zeichnete die Entwicklung des Forschungsfeldes nach und beschrieb die Herausforderungen der Zukunft. Dabei ging er insbesondere auf die zunehmende Krisenhaftigkeit gesellschaftlicher Entwicklung ein und beschrieb vor diesem Hintergrund den Beitrag Sozialer Innovationen in gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Filipe Almeida (Portugal Social Innovation) beleuchtete mit „Developing an SI ecosystem: A public policy approach“ wie Portugal sein Social Innovation Ecosystem entwickelt hat und weiter vorantreiben wird. Darüber hinaus stellte Katherine McGowan (Mount Royal University) die Herausforderungen Soziale Innovationen und systemisches Denken in der Lehre anschaulich und auch durch Einbeziehung von Praxispartnern zu vermitteln dar, Rafael Ziegler (HEC Montreal) ging auf die Bedeutung von Kooperativen bei der Entwicklung von Modellen der Kreislaufwirtschaft ein.
Wer einen Bewegtbild-Eindruck zur Konferenz und zu den Themenschwerpunkten gewinnen möchte, kann sich diese Videos anschauen (englischsprachig):
Campus-meets-Community-Festival
18. bis 20. September in Hamburg
Das Campus-meets-Community (CMC) Festival feierte sein Debut von 18. bis zum 20. September an der Universität Hamburg. Den Auftakt machte die Jahrestagung des Hochschulnetzwerks Bildung durch Verantwortung e.V. (HBdV) mit zahlreichen Vorträgen, die sich an Wissenschaft und Praxis richteten und Themen rund um die Adressierung und Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in den Blick nahmen. Ein besonderes Highlight des Festivals boten 3 Keynotes von Sophie Cloutterbuck (London Engagement und London Met Lab) und Donna Jones (LMU München) zum London Met Lab am Donnerstag und am Freitag von Boris Kozlowski (Hamburger Allianz für Social Entrepreneurship e.V.) unter dem Titel „Soziale Innovationen durch Soziale Entrepreneurs“ sowie von Andrea Walter (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen) zur Bedeutung von sozialen Bewegungen für „Neue Räume des Engagements“. Nachdem der Bedeutung des Festivals schon mit der Begrüßung durch die Hamburger Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Maryam Blumenthal, Rechnung getragen wurde, schloss eine Podiumsdiskussion an. In dieser betonten Jörg Miller (Vorsitzender HBdV), Julia Hudy (Geschäftsführung Aktivoli Landesnetzwerk) sowie die Keynote-Speaker Donna Jones und Sophie Cloutterbuck die Bedeutung von Kollaborationen mit Communities und nahmen unter Anderem deren Erfolgsfaktoren in den Blick.
In Hinblick auf die Bedeutung von Sozialen Innovationen und Gemeinwohlorientierten Unternehmen für die Beziehung zwischen Hochschulen und Communities setzte die Vortragsreihe „Soziales Unternehmertum“ einen Schwerpunkt. In drei Präsentationen wurden ein praktisches Beispiel von Social Entrepreneurship Education von Paul Rameder (Wirtschaftsuniversität Wien) und Peter Slepcevic-Zach (Universität Graz) vorgestellt, Ogeigha Koroyin (Hamburger Informatik Technologie-Center e.V.) stellte ein Transfermodell zur „kooperativen Gründungsförderung“ vor und Daniel Krüger (TU Dortmund) präsentierte als Mitglied des Netzwerks und des Teams Wissenschaft der SIGU-Plattform erste Ergebnisse aus der laufenden Forschung zum deutschen Hochschulökosystem für Soziale Innovationen.
Aus dem erweiterten Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform war auch Laura Adam als Mitorganisatorin des Festivals und Leiterin des ROSI Forschungsbüro für Soziale Innovation präsent. Beim Festival standen in den Workshops und mit Postern auch verschiedene Projekte und Initiativen im Fokus, die eine oft intensive Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Community sichtbar machten und damit verdeutlichten, dass gesellschaftliche Verantwortung und damit der Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen längst zentrales Thema von Hochschule sind, die damit immer öfter auch zur Brutstätte Sozialer Innovationen werden.
Durchgeführt wurde das Festival gemeinsam vom Forschungsbüro für Soziale Innovation (ROSI) der WiSo-Fakultät der Universität Hamburg, der Transferagentur und dem AKTIVOLI-Landesnetzwerk Hamburg e.V.
Social Innovation Forum
1. bis 2. Oktober in Brüssel, Belgien
Wie schon im Vorjahr lud die Social Innovation+ (SI+) Initiative, betreut durch die European Social Fund Agency in Vilnius, zahlreiche Praktiker:innen und Wissenschaftler:innen dazu ein, im frühen Oktober in Brüssel zusammenzukommen und sich im Rahmen des Social Innovation Forum zur Unterstützung von Sozialen Innovationen in Europa auszutauschen.
Unter den Workshops zu den Communities of Practice, die im Auftrag der EU-Kommission durch die SI+ Initiative angeboten und von Expert:innen unterstützt werden, bot die Community of Practice Social Innovation unter Leitung von Sofia Lai Amândio und organisiert durch Rasa Penkauskienė erneut ein zentrales Forum zum Austausch. Der Workshop war eines der Highlights für alle, die sich für Soziale Innovationen interessieren, sich mit ihnen beschäftigen und in der EU, insbesondere in Behörden, Nichtregierungsorganisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen, unterstützen. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass sie Projektaufrufe im Kontext der ESF-Priorität auf den Weg bringen sowie nationale und internationale Ökosysteme Sozialer Innovation durch Vernetzung und Wissensvermittlung oder Wissensproduktion stärken. Im Workshop zur Community of Practice Social Innovation stand vor allem die Frage im Vordergrund, wie Soziale Innovationen erfolgreich zu tiefgreifendem Wandel auf systemischer Ebene beitragen können. An Thementischen wurden entsprechende Ansätze diskutiert – wie beispielsweise der Portfolio-Ansatz, in dem mehrere Teilaktivitäten gemeinsam zu breiterem Wandel beitragen sollen. Einen Akzent setzte auch Judith Terstriep (IAT) als Mitglied des erweiterten Netzwerks Wissenschaft der SIGU-Plattform. Nachdem Norbert Kunz (Social Impact gGmbH) einen Überblick über die Genese des Ökosystems Sozialer Innovation in Deutschland gegeben hatte, präsentierte sie ein Projekt zu Realisierung eines Social Innovation Observatory (SIO) in Deutschland.
Flankiert wurden die Workshop-Sessions von verschiedenen Vorträgen und Keynotes – unter anderem aus der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der EU-Kommission (Andriana Sukova). In einer Keynote betonte Robin Maialeh (Research Institute for Labour and Social Affairs) die Bedeutung von Sozialen Innovationen für Wohlfahrtsstaaten in Europa. In weiteren Podiumsdiskussionen und Vorträgen wurde insgesamt deutlich, dass Soziale Innovationen in der EU ihren festen Platz haben, an zahlreichen Stellen sichtbar werden und ihre Wirkung entfalten. Dabei spielt die Unterstützung aus allen gesellschaftlichen Bereichen eine zentrale Rolle – und zwar lokal, regional, national und transnational. Dies wurde auch durch die Aussteller:innen deutlich, die dazu eingeladen waren, ihre sozialinnovativen Initiativen aus den unterschiedlichsten Themenfeldern zu präsentieren und mit den Teilnehmenden zu diskutieren.
EMES International Research Conference on Social Enterprise
3. bis 7. November in Rotterdam & Utrecht, Niederlande
Die 10. EMES International Research Conference on Social Enterprise fand vom 03. bis 07. November an der Erasmus University in Rotterdam und der Utrecht University statt. Unter dem diesjährigen Konferenzthema „Scaling Through Communities: The Role of Social Entrepreneurs and Social Enterprises in Boosting Societal Transitions“ fanden sich Forschende zusammen, die sich mit Social Entrepreneuship und Sozialen Innovationen befassen. Im Blickfeld der Konferenz stand zukunftsgerichtete, interdisziplinäre Forschung, die sich einer großen Breite an Methoden und theoretischen Mechanismen bedient. Ein Highlight war das Panel zum Thema “Souths-North dialogues within the SE Field: From traditional research frameworks to emergent ones to address democratic, social and ecological challenges”, in der Jean-Louis Laville (Conservatoire national des arts et métiers), Juliana Rodrigues (Aalto University & Escola de Administração de Empresas de São Paulo), Swati Banerjee (Tata Institue of Social Sciences) sowie Fernanda Wanderley (Universidad Católica Boliviana San Pablo) sowohl Unterschiede in der Forschung zum globalen Norden versus Süden beleuchteten als auch die Vereinbarkeit und das gegenseitige Lernen beider Forschungsströme diskutierten. Nicht nur wurde die globale Diversität abgebildet, sondern auch klargemacht, dass es nicht darum geht, über Menschen zu forschen, sondern mit ihnen.
Die Konferenz war in 15 thematischen „Lines“ strukturiert, die eine breite Reihe an Themen der Forschung im Feld Social Entrepreneurship und Soziale Innovationen abdecken. Das Team und Netzwerk Wissenschaft der SIGU-Plattform waren durch Katrin Bauer in der Line “Exploring the SE Ecosystems: Institutions, Networks, Policies and Governance” vertreten mit dem Vortrag „Understanding development pathways for Higher Education Institutions as enablers of social entrepreneurship and social innovation in the German ecosystem“, dem viel Interesse entgegengebracht wurde. Insbesondere interessant war die Durchführung einer solch breit angelegten Studie und deren nationale und auch internationale Bedeutung. Denn es wurden darüber hinaus Parallelen zur eigenen Hochschullandschaft entdeckt, der Wunsch einer ähnlich ausgestalteten Studie geäußert und einstimmig die Wichtigkeit der Wissenschaft für Soziale Innovationen betont – nicht nur als „Beforschende“, sondern auch als Lehrende und im Dialog mit dem Ökosystem.
Weitere Sessions aus dem erweiterten Netzwerk Wissenschaft umfassten außerdem diverse theoretische und empirische Perspektiven. Britta Gossel (HNEE Eberswalde, zusammen mit Maarten Hogenstijn, Mona Mirtsch, Leendert de Bell und Erzsi Meerstra-de Haan) präsentierte den Vortrag „Developing and connecting national networks on SE education and research“ und das Team von der Leuphana Universität Lüneburg, bestehend aus Charlotte von Wulffen, Frederic Penz, Markus Reihlen und Steffen Farny, beleuchteten in „Orchestrating Collective Action through Community Building: A Civic Wealth Perspective“ Mechanismen kollektiven Handelns und gemeinschaftsbasierter Wertschöpfung.
Highlights waren zudem die stark praxisorientierten Exkursionen, die den Wechsel des Konferenzortes von Rotterdam nach Utrecht begleiteten. So wurden etwas Initiativen aus der Zivilgesellschaft, von diesen geschaffene Orte der Zusammenkunft und Arbeit (auch „community-based enterprises“) besucht. Dabei gab es auch Einblicke in Kleinunternehmen, die sich der zirkulären Wertschöpfung verschrieben haben.

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