EINZIGWARE ist das Upcycling-Label der Caritas. In dem Interview stellen uns Anna Woznicki – Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Caritas – und Georg Münich – Geschäftsführer Bundesarbeitsgemeinschaft Integration durch Arbeit (BAG IDA) – das Projekt vor.
Wer seid ihr und was macht ihr?
EiNZIGWARE ist ein Label, entstanden aus der Idee Menschen eine neue Chance und Dingen ein zweites Leben zu geben.
Alle Standorte des Labels EiNZIGWARE sind Mitglieder in der Bundesarbeitsgemeinschaft Integration durch Arbeit (BAG IDA) im Deutschen Caritasverband. Die BAG IDA vertritt die Interessen der Qualifizierungs- und Beschäftigungsbetriebe von langzeitarbeitslosen Menschen in der katholischen Trägerlandschaft. Diese Beschäftigungsbetriebe betreiben soziale Kaufhäuser und Werkstätten, in denen arbeitslose Menschen wieder an die Anforderungen des Arbeitsmarkts herangeführt sollen oder besondere Fähigkeiten üben können.
Ein Großteil des Engagements der Beschäftigungsbetriebe konzentriert sich auf den Erhalt von gespendeten Waren in den Warenkreislauf und somit mit Abfallvermeidung und Wiederverwertung.


Ein weiteres wichtiges und bundesweites Projekt ist der www.Stromspar-Check.de. Hier unterstützen im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms tätige Beraterinnen einkommensschwache Haushalte in Deutschland dabei Energie und Wasser zu sparen und so ihre Nebenkosten zu senken.
Ihr verbindet soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Wie ist die Idee für EINZIGWARE entstanden?
Die Idee zur EiNZIGWARE entstand aus der Erkenntnisse, dass viele Dinge gespendet werden, die nicht in den Verkauf gehen können, sondern oft entsorgt werden müssen.
Um einen Teil dieser Dinge vor der Entsorgung zu bewahren, haben wir uns überlegt, ein Label für Upcycling zu entwickeln, bei dem vorhandene Materialien durch Upcycling so veredelt werden, dass sie Menschen gefallen und gerne benutzt werden.
Eine Schlüsselrolle spielen die sogenannten Warenmeister*innen. Wer ist das?
Die Menschen, die die EiNZIGWARE-Produkte herstellen, sind unsere wahren Warenmeister*innen, bis dahin arbeitslose Menschen, die zu uns kommen, um Beschäftigung zu finden. Ohne Sie gäbe es keine EiNZIGWARE.
Wie entstehen neue Produkte bei euch?
Die Produktideen werden von den Warenmeister*innen und den Anleitungen gemeinsam entwickelt. Die Materialien kommen in der Regel als Spenden in unseren sozialen Kaufhäusern an. Nicht jede „Spende“ entspricht dem, was man sich unter Spende vorstellt. Hier gilt es, ein feines Fingerspitzengefühl zu entwickeln, wie man mit Spendenden kommuniziert
Und so ist Manches, was gespendet wird, auf den zweiten Blick ein prima Grundstoff für eine Idee eines EiNZIGWARE-Produktes. Manchmal ist es das besondere Muster eines Stoffes, das die Fantasie anregt, ein Stück Altholz.
Oder es sind alte Hufeisen oder oder oder…



Vor welchen Herausforderungen steht ihr mit eurem Projekt?
Herausforderungen kennen wir gut! Sowohl die Anzahl unserer Warenmeister*innen als auch deren Leistungsfähigkeit ist ständigen Schwankungen unterworfen. Häufig erfordert die Herstellung der Unikate intensiver Anleitung. So können wir keine wirtschaftlichen Produktionsmengen erreichen, was unsere Betriebe stets unter großem wirtschaftlichen Druck stehen lässt.
Da wir Angebote der Arbeitsförderung zur Beschäftigung und Qualifizierung von arbeitslosen Menschen in der Regel im Auftrag der Jobcenter machen, unterliegen wir jährlich wechselnden Finanzierungszusagen.
Die EiNZIGWARE-Unikate werden von Hand gefertigt. Somit ist ein kostendeckender Preis schwer zu erzielen. Auch das Marketing und die Erreichung einer Käufer*innengruppe ist Herausforderung.
Welches Erlebnis hat dich in deiner Arbeit für EINZIGWARE besonders berührt?
Mich berühren vor allem die Geschichten der Menschen hinter unseren Warenmeisterinnen und Warenmeistern. Viele von ihnen haben schwierige Zeiten erlebt, Rückschläge erfahren oder den Glauben an die eigenen Fähigkeiten ein Stück weit verloren. Umso besonderer sind für mich die Momente bei unseren Warenmeistertreffen, wenn sie ihre selbst gefertigten Produkte vorstellen und man spürt, wie stolz sie auf das sind, was sie geschaffen haben.
Zu erleben, wie Menschen ihre eigenen Fähigkeiten wiederentdecken, Anerkennung erfahren und selbstbewusst sagen können:
„Das kann ich“ – das berührt mich immer wieder.
Was plant ihr zur Europäischen Woche der Nachhaltigkeit?
Unsere Betriebe haben vielfältige Aktionen rund um die Europäische Woche der Nachhaltigkeit geplant. Von Modenschauen über kreative Mitmachaktionen bis hin zu Ausstellungen ist einiges dabei. Gemeinsam möchten wir zeigen, wofür EiNZIGWARE steht: Nachhaltigkeit, Kreativität und die Einzigartigkeit unserer Produkte.
Deutsche Aktionstage Nachhaltigkeit
Die Aktionstage finden vom 18. September bis 8. Oktober 2026 statt und sind Teil der Europäischen Woche für Nachhaltigkeit.
Programm ansehenIhr seid an 27 Standorten aktiv. Wo kann man eure Produkte erwerben?
EiNZIGWARE-Produkte können überall vor Ort gekauft werden, wo ein EiNZIGWARE-Standort aktiv ist. Wo es EiNZIGWARE gibt, kann man auf unserer Website www.einzigware.de sehen. Dort kann man auch die Unikate sehen und online bestellen.
Wie kann man euch unterstützen?
Unterstützen kann man uns auf ganz unterschiedliche Weise: Besonders freuen wir uns über Unternehmen, Organisationen und Menschen, die nicht mehr benötigte Materialien nicht einfach entsorgen, sondern ihnen gemeinsam mit uns ein neues Leben geben. Aus vorhandenen Materialien entwickeln und fertigen wir im Auftrag einzigartige EiNZIGWARE-Unikate – individuell, nachhaltig und mit einer besonderen Geschichte.
Aber auch Austausch und Vernetzung bringen uns weiter. Gute Erfahrungen, neue Impulse und Beispiele aus der Praxis sind für uns ebenso wertvoll wie Know-how im Produktdesign oder Unterstützung dabei, über EiNZIGWARE und unsere Arbeit zu berichten.








