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Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus: Technologische und Soziale Innovationen am KIT

23. Juli 2025

© Magali Hauser / KIT

Soziale Innovationen spielen in den letzten Jahren auch in der Technologieentwicklung eine immer größere Rolle. Einerseits werden Technologien im Rahmen von sozial-innovativen Konzepten, wie Verantwortungsvolle Forschung und Innovation (Englisch: Responsible Research and Innovation, RRI), zunehmend an gesellschaftlichen Bedarfen orientiert. Andererseits werden nicht-beabsichtigte Nebenfolgen von Innovationsprozessen immer stärker erforscht, um diese vermeiden zu können . 

Jüngste Entwicklungen, wie die zunehmende Anwendung und Verbreitung von Künstlicher Intelligenz, bergen das Risiko solche unbeabsichtigten Effekte bei technologischen Neuerungen noch weiter zu verstärken. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für mögliche Synergie- und gegenseitige Verstärkungseffekte von sozial-innovativen Ansätzen und neuen technologischen Lösungen. 

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gehört zu den renommiertesten wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, die sich mit Forschung und Entwicklung rund um neue Technologien befassen. Auch in diesem Feld gewinnen Soziale Innovationen immer mehr an Bedeutung. Dabei werden Technologien nicht nur durch sozial-innovative Ansätze ergänzt, sondern tiefgreifender miteinander verzahnt. Mit der Beteiligung an 12 Reallaboren in Karlsruhe leistet das KIT Pionierarbeit in der Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Akteur:innen.

In diesem Spotlight schildern Dr. Christin Eckerle und Ernestine Frisu aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln, wie sie die Entwicklungen am KIT wahrnehmen und warum sie in ihrer Arbeit Soziale Innovationen integrieren.  

Drei Fragen an Dr. Christin Eckerle

Doktor Christin Eckerle

Dr. Christin Eckerle, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Entrepreneurship, Technologie-Management und Innovation (EnTechnon), Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Foto: ©EnTechnon / KIT

Sie haben im Student Innovation Lab des KIT schon vielen Studierenden geholfen, unternehmerisch zu denken und kreative Ideen für technologische Entwicklungen auf ihre Umsetzbarkeit hin zu überprüfen. Was sind die Gründe dafür, dass Sie Soziale Innovationen mittlerweile ebenfalls im Blick haben? 

„Ich würde drei Faktoren benennen, die hier zusammenspielen. Einerseits ist die Sensibilisierung für das Thema in der Studierendenschaft des KIT deutlich spürbar. Ob in den Hochschulgruppen, wie Enactus oder der Pioniergarage, aber auch in unseren diversen Entrepreneurship-Seminaren merkt man an den Startup-Ideen, dass soziale und ökologische Probleme in den Fokus der Studierenden gerückt sind – und wir wollen dieser Entwicklung natürlich gerecht werden und mit wissenschaftlich fundierten Theorien und Methoden begleiten. Gleichzeitig ist unser Ökosystem dahingehend auch sehr aktiv. Wir haben viele Partner aus der Praxis in Karlsruhe und darüber hinaus, die das Thema Soziale Innovationen als wichtigen Faktor für eine zukunftsorientierte Wirtschaft sehen und uns damit auch ermöglichen, das Thema bei uns besser zu verankern. Letztendlich hat mich meine eigene Forschung zu Impact Management und Messung von Startups motiviert, das Thema in unsere Lehrveranstaltungen verstärkt und systematisch zu integrieren.“

Wie integrieren Sie Soziale Innovation als Querschnittsthema in Ihrer Arbeit im Rahmen des Labs, und warum ist das wichtig?

„An einer technischen Universität wie dem KIT ist es wichtig, die Studierenden zu sensibilisieren und zu befähigen, sich mit den Folgen technologischer Innovation dezidiert auseinanderzusetzen. Deshalb haben wir im Student Innovation Lab (SIL) mit dem Exzellenzprojekt ARRTI (Academy for Responsible Research, Teaching, and Innovation) kooperiert. Ziel von ARRTI und somit auch von uns im SIL ist es, die Studierenden auszubilden, verantwortungsvoll mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten umzugehen –welche Auswirkungen hat mein Handeln auf Gesellschaft und Umwelt und wie kann ich Lösungen designen und entwickeln, die unsere Gesellschaft und Umwelt positiv beeinflussen? Wir verknüpfen Innovationen somit mit ethischer Reflexion, damit „Responsible Innovation“ entsteht.“

Was verstehen Sie am Student Innovation Lab unter Social Innovation Venturing? Und wie verbinden die Studierenden Social Innovation Venturing mit ihren Themen aus Elektrotechnik, Informatik, Mechatronik, Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften? Gibt es da Beispiele?

„Grundsätzlich ist ein echtes gesellschaftliches Problem für uns der wichtigste Schritt hin zu social innovation venturing. Wir arbeiten unter anderem mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen als Anker, um Anwendungsfelder für die im Lab zur Verfügung stehenden Technologien zu identifizieren und mit gesellschaftlichen Problemen zu verbinden – sozial und ökologisch. Wenn die Studierenden in ihren interdisziplinären Teams Ideen generieren, sehen wir aber auch die persönliche Motivation und Erfahrung der Studierenden, die sie nutzen, nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Viele Ideen adressieren Probleme im Medizin-Bereich – ob von hörgeschädigten Menschen oder von Menschen mit Sehbeeinträchtigung, aber auch Einsamkeit oder Depressionen sind Probleme, die technologie-basiert von den Studierenden adressiert werden. Beispielsweise hier sind BatCamSignMeUp oder in diesem Durchlauf EMPA, die einen KI-Assistent gegen Einsamkeit von Senior:innen entwickeln, entstanden. Auch gibt es tolle Ideen für ökologisch nachhaltige Lösungen: so haben wir viele Teams, die mittels Sensoren und KI-Modellen smarte Lösungen designen, die beispielweise den Energieverbrauch in Privathaushalten minimieren oder zirkuläre Ansätze in die Produktion integrieren, um Ressourcen zu schonen, wie das Startup DESOLTIK.“

Drei Fragen an Ernestine Frisu

Ernestine Frisu

Ernestine Frisu, Leiterin Abteilung Wissenstransfer, Dienstleistungseinheit Innovations- und Relationsmanagement, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Foto: ©Amadeus Bramsiepe / KIT

Das KIT hat eine lange Tradition des Technologietransfers. Hat sich das Transferverständnis in den letzten Jahren verändert? 

„Das Verständnis von Transfer hat sich am KIT in den letzten Jahren spürbar gewandelt. Mit dem gestiegenen gesellschaftlichen und politischen Interesse und der damit verbundenen Forderung nach Wissens- und Technologietransfer an wissenschaftliche Einrichtungen wächst auch die Verantwortung der Wissenschaft. Sie ist zunehmend gefordert, den Dialog mit Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aktiv zu suchen und deren Impulse in die Forschung einzubeziehen und zu berücksichtigen.“

Welche Bedeutung hat die Orientierung an gesellschaftlichen Herausforderungen für Transferformate am KIT?

„Die Ausrichtung der Forschung an gesellschaftlichen Herausforderungen ist fest in der Mission des KIT verankert – als Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft steht das KIT für die Verbindung von exzellenter Forschung mit gesellschaftlicher Verantwortung. Entsprechend prägt dieser Anspruch auch die Gestaltung unserer Transferformate. Sie orientieren sich gezielt an aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen, um wissenschaftliche Erkenntnisse wirksam in die Praxis zu überführen und im Dialog mit Akteuren aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gemeinsame Lösungen zu entwickeln.“

Wie verbinden Sie den Transfer neuer Technologien mit sozialinnovativen Ansätzen? Gibt es Beispiele?

„Am KIT verstehen wir Transfer nicht nur als Weitergabe neuer Technologien, sondern auch als gesellschaftlichen und partizipativen Gestaltungsprozess. 

Technologische Innovationen werden daher zunehmend mit sozialinnovativen Ansätzen verknüpft – etwa durch interdisziplinäre Projekte, Reallabore oder partizipative Formate, in denen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen oder Unternehmen neue Lösungen entwickelt und erprobt werden. Beispielhaft sind hierbei das Reallabor Quartier Zukunft – Labor Stadt, der Innovationscampus Mobilität der Zukunft gemeinsam mit der Universität Stuttgart oder der Innovationscampus Nachhaltigkeit gemeinsam mit der Universität Freiburg  sowie Industry on Campus Modelle gemeinsam mit der Wirtschaft wie BELLA oder auch SHARE zu nennen.“

Team Wissenschaft der TU Dortmund

Wer steckt hinter dem Spotlight Wissenschaft?

Der Einblick in die Integration von technologischen und sozialen Innovationen am KIT wurde von dem Team Wissenschaft der TU Dortmund zusammengestellt.