Der Ausgangspunkt
Für viele gesellschaftliche Probleme gibt es längst wirksame Lösungen. Die eigentliche Frage ist, wie sich Funktionierendes verbreiten lässt. Genau hier klafft im deutschen Fördersystem eine Lücke: Skalierungsfinanzierung wird kaum eigenständig gedacht. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) und die Postcode Lotterie gehen diese Lücke gemeinsam an.
Wie zwei Förderakteurinnen zusammenkamen
Die DSEE ist eine bundesweite, staatliche Stiftung. Seit ihrer Gründung 2020 hat sie über 20.000 Förderungen ausgesprochen und sich dadurch ein genaues Bild davon verschaffen können, wo die Bedarfe bei den zivilgesellschaftlichen Organisationen liegen. Die Postcode Lotterie fördert seit 2016 in Deutschland aus Lotterieerlösen und hat seit dem Start mehr als 8.000 Projekte unterstützt. Als private Förderin ist sie in der Ausgestaltung ihrer Förderung an andere Vorgaben gebunden als eine staatliche Stiftung. Daraus hat sie 2022 ein Partnerschaftsprogramm entwickelt, wie es bislang wenige in Deutschland gibt: Über 40 Organisationen erhalten dabei eine ungebundene und flexible Förderung.

Das Neue in dieser Zusammenarbeit liegt in der Konstellation und in dem Prinzip dahinter: Vertrauen statt Kontrolle. Wer ein neues Förderinstrument auflegt, baut dafür in der Regel eigene Strukturen auf. Die DSEE und die Postcode Lotterie haben stattdessen ein gemeinsames Instrument entwickelt: den ZukunftsWIRkungs-Fonds. In der Umsetzung des Fonds nehmen beide Partnerinnen unterschiedliche Rollen ein. Die Postcode Lotterie stellt den Großteil der finanziellen Mittel bereit und stärkt die Zusammenarbeit durch ihre Perspektive als flexible, wirkungsorientierte Förderinstitution. Die DSEE bringt neben ihrer Kenntnis der Bedarfe zivilgesellschaftlicher Akteur:innen auch die Anbindung an eine Institution mit, die eine umfassende Förderung praktisch abbilden kann.
Die DSEE führt dabei das Verfahren: Auswahl der Förderempfänger:innen unter Einbindung einer externen Fachjury, Förderabwicklung, Begleitung und Evaluation. Im Fördersystem ist diese Form der Partnerschaft nicht selbstverständlich, denn häufig sind Finanzierung und inhaltliche Steuerung eng miteinander verbunden. Hier wird diese Verbindung bewusst gelöst, um Entscheidungen näher an den tatsächlichen Bedarfen von Organisationen zu treffen. So lässt sich der neue Förderansatz nicht nur als eigenes Instrument denken, sondern in ein bestehendes Ökosystem einbetten: Organisationen werden dort erreicht, wo Wissen, Beziehungen und Vertrauen schon vorhanden sind, und bekommen Mittel, die ein einzelnes Programm so kaum vergeben könnte.

© DSEE / bundesfoto / Christina Czybik

© DSEE / bundesfoto / Christina Czybik
Was daraus für Sozialunternehmen entstanden ist
Der ZukunftsWIRkungs-Fonds richtet sich an gemeinnützige Organisationen, die bereits in einer erfolgreichen Förderbeziehung mit der DSEE standen, ihre Wirksamkeit gezeigt haben und nun vor der nächsten Stufe stehen: der Skalierung ihrer bewährten Ansätze.
Die Organisationen erhalten finanzielle Mittel von bis zu 150.000 Euro, die sie über eine Laufzeit von bis zu 24 Monaten flexibel für ihr Skalierungsprojekt und für die Verstetigung ihrer internen Strukturen einsetzen können. Darin liegt der Kern des Fonds. Gefördert wird nicht nur, was eine Organisation tut, sondern auch, was sie als Organisation stark macht.
Dazu kommt ein Begleitangebot, das von Community-Calls bis zu Workshops reicht und gemeinsam mit den Geförderten entwickelt und laufend angepasst wird. Die Organisationen können außerdem auf das Netzwerk der DSEE und auf persönliche Beratung durch das Team des Fonds zurückgreifen. Im Sommer 2026 ging der Fonds bereits in eine zweite Runde.

© DSEE / bundesfoto / Ulf Büschleb
Warum es für Sozialunternehmen zählt
Sozialunternehmen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen können ihre Mittel dort einsetzen, wo sie für nachhaltiges Wachstum am meisten gebraucht werden, statt einen bewährten Ansatz für jeden neuen Antrag neu zu verpacken. Sie gewinnen Spielraum für Strukturen, Team und Strategie und damit die Voraussetzung, ihre Wirkung zu verstetigen.
Was Stiftungen daraus mitnehmen können
Der ZukunftsWIRkungs-Fonds zeigt, dass innovative Förderung oft mit einer neuen Art der Zusammenarbeit beginnt, nicht erst mit einem neuen Antragsformular. Zwei Förderakteurinnen treten nicht in Konkurrenz, sondern verbinden ihre Stärken.
Daraus ergeben sich Fragen, die jede Stiftung an die eigene Praxis stellen kann: Wo entstehen parallele Förderstrukturen, obwohl Wissen und Erfahrung anderswo schon vorhanden sind, und mit wem ließe sich stattdessen kooperieren? In welchen Phasen wäre es sinnvoll, Mittel flexibler zu vergeben, gerade dort, wo Organisationen wachsen wollen? Und wie lässt sich eine Förderbeziehung stärker auf Vertrauen als auf Kontrolle ausrichten?
Der Fonds zeigt, dass sich diese Fragen beantworten lassen, wenn zwei Förderakteurinnen zusammenarbeiten, statt nebeneinander zu fördern.

© DSEE / bundesfoto / Ulf Büschleb
Dieser Artikel wurde verfasst von Angelika Tews.



