Rückblick Hot Topic Workshop: Ganzheitliche Wirkungsbetrachtung – Konzepte und Herausforderungen

Ganzheitliche Wirkungsbetrachtung

In verschiedenen Veranstaltungen der SIGU-Plattform und auch auf dem SIGU-Forum hat sich ein nach wie vor großer Bedarf an Erfahrungsaustausch zu Themen wie der Wirkung, Messbarkeit und Nebenfolgen Sozialer Innovation artikuliert. Während der wichtige Bereich der Wirkungsmessung im wissenschaftlichen Feld sowie der unternehmensnahen Praxis gut verankert ist und bereits des Öfteren hierüber informiert und diskutiert wurde, setzte dieser Hot Topic Workshop grundsätzlicher an und ging dem Stellenwert, dem zielgruppenbezogenen Nutzen, und auch den Herausforderungen und Grenzen quantifizierter Wirkungsbetrachtungen Sozialer Innovation auf den Grund.  

Expert:innenbeiträge

Um das Thema unter Einbezug von Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis von Sozialinnovator:innen und Fördergeber:innen umfassend in den Blick zu nehmen und zu diskutieren, wurde dieser Workshop im Rahmen der SIGU-Plattform organisiert. Dazu kooperierten das Team Wirkung des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. (SEND e.V.) und das Team Wissenschaft der SIGU-Plattform, in dem Wissenschaftler:innen der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund aktiv sind.

Auf Einladung des Organisationsteams beleuchteten in drei ergiebigen Impulsen Clara Bracklo von der Digitalfabrik gGmbH, Jörg Jurkeit vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz Brandenburg und Prof. Dr. Stefan Böschen von der RWTH Aachen das Thema Wirkung aus sehr unterschiedlichen Perspektiven – praxisnah, verwaltungsorientiert und wissenschaftlich fundiert. Dabei boten sie sowohl Einblicke in ihre Motivation zur Berücksichtigung oder der Beschäftigung mit der Wirkung von Sozialen Innovationen, wie auch in die damit verbundenen Ansätze. 

Präsentation von Clara Bracklo

Präsentation von Prof. Dr. Stefan Böschen

Diskussion

Im Rahmen der Diskussion wurde erneut deutlich, dass die Analyse der Wirkung Sozialer Innovationen eine zentrale Rolle für deren Weiterentwicklung, Legitimation und gesellschaftliche Verankerung spielt. Auch das Verständnis für die Potenziale und die Inhalte Sozialer Innovationen könnte durch eine intensive Auseinandersetzung mit deren Wirkung gestärkt werden. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung einer systematischen Wirkungsbetrachtung, um den gesellschaftlichen Mehrwert sichtbar zu machen und evidenzbasierte Entscheidungen zu ermöglichen. Dabei wurde deutlich, dass Wirkungsbetrachtungen nicht nur für die Praxis von Sozialinnovator:innen von Relevanz sind, um ihre eigene Zielerreichung zu analysieren. Für öffentliche Verwaltung ermöglicht ein besseres Verständnis von Wirkung sowohl eine Stärkung von Legitimation als auch eine bessere Sicherstellung des zielgerichteten Einsatzes von öffentlichen Mitteln und Wissenschaftler:innen sind nicht nur aus Erkenntnisinteresse an der Wirkungsanalyse interessiert. Viel mehr stellt sich auch in anwendungsorientierten Forschungsprojekten die Frage nach der erzielten oder erzielbaren Wirkung.  

Es zeigte sich, dass die Entwicklung geeigneter Ansätze sehr stark von konkreten Bedingungen abhängig ist. Die Antworten hängen stark von der jeweiligen Perspektive ab – ob als Fördergeber:in, Sozialinnovator:in oder Wissenschaftler:in – und reichen von direkter Zielgruppenorientierung bis hin zu struktureller gesellschaftlicher Veränderung.

Die Diskussionsbeiträge zeigten, dass großer Weiterentwicklungsbedarf insbesondere in Bezug auf die Messbarkeit komplexer Wirkungen, und auf die methodische Fundierung sowie die Entwicklung praxistauglicher und zugleich theoretisch fundierter Instrumente besteht. Indikatoren sind ex ante kaum festlegbar und bedürfen häufig einer prozessbegleitenden Erarbeitung mit den Betroffenen (Stichwort: agile Indikatorik). Gerade für die Praxis erscheint der erforderliche hohe (diskursive) Aufwand einer Wirkungsbetrachtung eine große Hürde zu sein.