Fünf Jahre „Gesellschaft der Ideen“: Wie aus Visionen gesellschaftlicher Wandel wurde

Nach einer intensiven und inspirierenden Reise endete Ende März 2026 der Wettbewerb „Gesellschaft der Ideen“ (GdI). Was bleibt, ist weit mehr als ein abgeschlossenes Programm: Es ist die Geschichte von 30 Teams, die gezeigt haben, wie viel Kraft in Ideen aus der Mitte der Gesellschaft steckt.

Ohne diesen ersten Kick würde es GovShare als Unternehmen heute wahrscheinlich nicht geben.“ (Philipp Schwarz, GovShare)

In diesem Satz verdichtet sich die Bedeutung von GdI: Der Wettbewerb war Ausgangspunkt, Ermöglichungsraum und Beschleuniger zugleich. Als erstes Programm des Ministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, ehemals BMBF), das gezielt Soziale Innovationen in den Fokus stellte, suchte GdI nach Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen nicht in etablierten Strukturen, sondern dort, wo diese Herausforderungen unmittelbar erlebt werden: bei Forschenden, Bürger:innen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen.

Die Resonanz war beeindruckend. Über 1.000 Ideen wurden im Sommer 2020 eingereicht, ein starkes Signal dafür, wie groß der Wunsch ist, gesellschaftliche Veränderung aktiv mitzugestalten. Per Crowdvoting wurden 30 Teams ausgewählt, die zunächst in einer sechsmonatigen Konzeptphase an ihren Ideen arbeiteten. Auf die Konzeptphase folgte eine zweijährige Erprobungsphase mit zehn Projekten, bevor schließlich vier Teams in einer Praxisphase bis zur Marktreife ihrer Ideen begleitet wurden. Dieses mehrstufige Modell eröffnete einen Raum, in dem Ideen nicht nur gedacht, sondern ausprobiert, angepasst und schließlich in die Praxis überführt werden konnten.

„Ohne die längere Förderphase wäre es vermutlich ein rein forschungsorientiertes Projekt geblieben.“ (Dr. Bernd Josef Leisen, ViVerA)

Soziale Innovationen, das wurde im Verlauf des Programms immer deutlicher, folgen ihrer eigenen Logik. Es braucht Zeit, um Beziehungen aufzubauen, Vertrauen zu schaffen und Wirkung zu entfalten. Erst durch die Möglichkeit, Konzepte über längere Zeiträume hinweg zu erproben, konnten viele Projekte den Schritt von der Idee zur tatsächlichen Anwendung schaffen. Dabei zeigte sich auch, dass Soziale Innovation weniger in spektakulären Einzelmomenten entstehen als vielmehr in kontinuierlicher Beziehungsarbeit.

Die Vielfalt der geförderten Projekte zeigt, wie unterschiedlich Soziale Innovationen dabei aussehen können: Ob digitale Inklusion, nachhaltige Kreislaufwirtschaft, neue Formen der Nachbarschaftshilfe oder innovative Bildungsansätze, die Bandbreite der Ideen war eindrucksvoll. In einigen Projekten wurde dabei auch deutlich, dass technologische Möglichkeiten zwar wichtige Werkzeuge liefern, ihre gesellschaftliche Wirksamkeit jedoch erst durch kreative Ideen und soziale Einbettung entfalten.

„Soziale Innovationen schaffen Lösungen, wo klassische Ansätze oft an ihre Grenzen stoßen.“ (Yevgeniya Nedilko, Relief VR)

Genau darin lag die besondere Stärke von „Gesellschaft der Ideen“: Sie hat Räume geöffnet für Ansätze, die bestehende Systeme nicht nur ergänzen, sondern hinterfragen und weiterentwickeln. Die Projekte zeigen, dass neue Lösungen oft dort entstehen, wo Menschen bereit sind, gewohnte Denkmuster zu verlassen und interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Besonders deutlich wurde, wie wichtig es ist, Freiräume zu schaffen, in denen Ideen „scheitern“ und sich neu ausrichten dürfen. Ebenso zentral erwies sich die Bedeutung starker Netzwerke: Der Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft war nicht nur unterstützend, sondern oft entscheidend für den Erfolg der Projekte. Und schließlich zeigte sich, wie wichtig Sichtbarkeit ist. Viele der Ideen konnten erst dann ihre volle Wirkung entfalten, als sie eine Bühne bekamen und andere dazu inspirierten, ähnliche Wege zu gehen.

Zum Abschluss des Programms „Gesellschaft der Ideen“ noch einmal ein großes Dankeschön an die eigentlichen Protagonist:innen dieser Reise, die mit ihren Ideen, ihrer Energie und ihrem Engagement die „Gesellschaft der Ideen“ mit Leben gefüllt haben:

  • ACREN – Transparentes Crowdfunding für den Klimaschutz
  • AMA: ankommen – mitmachen – austauschen (vorher: GI CONNECT – Generationsübergreifend und interkulturell)
  • BABSI – Zu Hause essen bei Fremden
  • CREDIBLE MESSENGER – Mentoring für ein straffreies Leben
  • DAS DIGITALE DORFMOBIL
  • DAS MOBILE DATENLABOR
  • ENERGIEWENDE-O-MAT
  • GAME OF RAIN – Spielend die Welt verändern
  • GENEROBOT – Generationstransfer-Robotik
  • GOVSHARE – Verbesserter Wissenstransfer im kommunalen Klimaschutz
  • GUT ALAUNE
  • HEY, MOMO HÖRT ZU
  • INTEGRIERTES SYSTEM FÜR EINE LANDWIRTSCHAFT MIT ÖKOLOGISCHEM MEHRWERT
  • KIEZGESCHICHTEN
  • KULTURBUDDY – Wir bringen Kunst und Kultur in die Wohnung
  • KREBSBERATUNG
  • MEINE – Krebsberatungsapp
  • MITNEHMGESTE
  • NICHT 2 SONDERN 3 – Hermine und ihr Bruder Theo mit Down-Syndrom
  • NOCH NIE GESEHEN. HEUTE MAL ANDERS – mit inklusiven Stadttouren
  • OLDIE & GOLDIE – Verbunden durch gemeinsames Reisen
  • POPP! – Filterblasen spielerisch zum Platzen bringen
  • PRÄVIG – Prävention von Essstörungen durch Yoga
  • PSYCHISCH.FIT – Digitale Selbsthilfe
  • RELIEFVR
  • SEXED
  • VISION PERIOD – Menstruation & Wechseljahre
  • VITAMIN G FÜR JUNGE FAMILIEN – Naturerleben auf dem Spielplatz
  • VIVERA – Virtuelle Veranstaltungen in der Altenpflege
  • YOURREALITY,  ZUSAMMENHÖREN – Hören für alle Pflegebedürftigen

Die Projekte wirken weiter, entwickeln sich weiter und tragen ihre Ideen in neue Kontexte. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist.

Die letzten vier Projektteams (ViVerA, ReliefVR, Die Krebsberatungs-App und Credible Messenger) haben ihre Praxisphase beendet. Damit kommt auch „Gesellschaft der Ideen“ mit dem 31.3.2026 zum Abschluss. Bei Rückfragen könnt ihr euch gerne jederzeit an den Projektträger VDI/VDE-IT wenden: gesellschaft-der-ideen@vdivde-it.de