Saskia Rudolph unterstützt mit Spiegelneuronen Menschen dabei, auf die eigene Zufriedenheit und psychische Gesundheit, aber auch auf die der Mitmenschen, Kolleg:innen, Mitarbeitenden und der Gesellschaft zu schauen. Sie leitet zusammen mit Pierre Herzer und Dietrich Eisold die SINN Zukunftsplattform für soziale Innovationen. Das Projekt wird von sechs Partnern – Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen e.V., dem DRK Landesverband Sachsen e.V., der Impact Hub Dresden GmbH, der Impact Hub Leipzig GmbH, dem Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Sachsen e.V. und der Startnext GmbH – umgesetzt.
Was bedeutet Kollaboration für euch bei SINN?
Sie ist für uns DIE Grundvoraussetzung, um echten gesellschaftlichen Wandel zu gestalten. Kein einzelner Akteur kann die Herausforderungen, vor denen wir stehen, alleine lösen. Bei SINN bringen sechs sehr unterschiedliche Konsortiums-Partner:innen und ein riesiges Unterstützer:innen-Netzwerk ihre Stärken, Kontakte, Perspektiven und fundiertes Fachwissen ein – und genau diese Vielfalt macht uns handlungsfähig und innovativ. Es geht nur gemeinsam!
Was habt ihr beim Aufbau der SINN-Plattform gemeinsam mit unterschiedlichen Akteuren gelernt?
Dass echte Zusammenarbeit Zeit und Vertrauen braucht – und dass beides definitiv gut investiert ist. Unterschiedliche Organisationskulturen und Arbeitsweisen sind zunächst eine Herausforderung, werden aber zur Stärke, wenn man ihnen Raum gibt. Das Wichtigste: Wer sich wirklich zuhört, wie wir es von Projektstart an untereinander tun, bevor er vermeintlich schnelle Lösungen anbietet, baut etwas Tragfähiges. Und tragfähige Strukturen sind besonders im Bereich der sozialen Arbeit, vor allem aber auch im Hinblick auf die innovative Weiterentwicklung eine absolute Notwendigkeit und erfordern empathisches Miteinander auf Augenhöhe, Wertschätzung und Respekt.
Was sind eure Ziele und Pläne für die zweite Förderphase bis 2028?
Wir wollen das, was wir in der ersten Phase aufgebaut haben, jetzt tief verankern und wirksam werden lassen. Das bedeutet: mehr soziale Innovator:innen in Sachsen miteinander verbinden, nachhaltige Formate für gemeinsames Reflektieren, Lernen und Entwickeln schaffen und zeigen, dass soziale Innovation gesellschaftliche Relevanz hat – weit über die Förderphase hinaus. Unsere Webseite bietet dafür den Ankerpunkt und Hafen für alle jene, die Unterstützung suchen und bieten – auf ihr findet man das gesamte Ökosystem, viel Wissenswertes, Veranstaltungsübersichten und Inspiration.
Mehr zu SINN Sachsen
Bei der Zukunfsplattform für soziale Innovationen Sachsen bekommt ihr Netztwerk, Wissen und Unterstützung für sozial-innovative Ideen und Projekte.
Vor welchen Herausforderungen steht ihr aktuell und wie geht ihr damit um?
Die sozialen Organisationen und Sozialunternehmen in Sachsen – und auch wir im Konsortium – arbeiten vielfach unter hochkomplexen und herausfordernden Voraussetzungen, mit viel Engagement, oft aber auch an ihrer Belastungsgrenze – das spüren wir täglich. Gleichzeitig versuchen wir, ein komplexes Partnernetzwerk handlungsfähig zu halten, Innovationsgeist zu fördern und dabei niemanden zu verlieren beziehungsweise uns immer vielfältiger zu vernetzen.
Wir begegnen dem mit klaren Angeboten für verschiedene Zielgruppen und deren individuelle Bedarfe, ehrlicher Kommunikation und dem Bewusstsein, dass Mut zur Weiterentwicklung und das Beschreiten neuer innovativer Pfade aktiv unterstützt und wertgeschätzt werden muss. Dieser Aufgabe versuchen wir jeden Tag gerecht zu werden und uns kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Welche konkreten Tipps hast du für eine bessere Zusammenarbeit im Team?
Investiert vor allem in die Beziehungsebene – nicht nur in Aufgaben und Ergebnisse. Sprecht Spannungen früh an, bevor sie sich aufstauen. Schafft Räume für ehrliches Feedback, in denen sich alle wirklich sicher fühlen. Und: Feiert Erfolge bewusst – auch die kleinen. Gute Zusammenarbeit entsteht nicht von selbst. Sie ist eine tägliche Entscheidung, immer wieder aufs Neue und erfordert viel Einfühlungsvermögen und ein echtes Miteinander auf Augenhöhe mit allen.

Welche Möglichkeiten von Synergien & Kooperationen siehst du im sozial-innovationen Ökosystem?
Das Potenzial ist enorm – und noch lange nicht ausgeschöpft. Gerade an der Schnittstelle zwischen Wohlfahrt, Zivilgesellschaft und Sozialunternehmen entstehen die spannendsten Verbindungen. Wenn wir aufhören, in Silos zu denken, und anfangen, Ressourcen, Wissen und Netzwerke wirklich zu teilen, können wir gemeinsam systemische Veränderungen anstoßen. Das ist der Kern von dem, was SINN leisten soll. Und genau diesen Anspruch tragen wir jeden Tag mit uns und in alle unsere Überlegungen und Planungen mit hinein.
Was braucht es dafür an Voraussetzungen und welche Hindernisse gibt es?
Es braucht Vertrauen, gemeinsame Werte und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen, genauso wie tragfähige Rahmenbedingungen und strukturelle Sicherheit – von der Politik, von Förderinstitutionen, aber auch von uns selbst. Wir dürfen nicht warten, bis alles perfekt ist – das wird es nie sein. Aber wir alle können dazu beitragen, dass Dinge sich positiv entwickeln, jede:r in zunächst in seinem eigenen Wirkkreis und dann vor allem auch über den Tellerrand geschaut.
Was bedeutet Resilienz für dich persönlich – beruflich und privat?
Resilienz bedeutet für mich, auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben – ohne mich dabei selbst zu verlieren. Privat heißt das: bewusst abschalten, echte Verbindungen pflegen, auf meinen Körper hören.
Beruflich bedeutet es, einen klaren Sinn in meiner Arbeit zu spüren – auch wenn es anstrengend wird. Ich werde nicht müde, es gegenüber allen zu erwähnen (und sage es auch mir selbst immer wieder): Wer nachhaltig für andere wirken möchte, muss auch für sich selbst und seine Gesundheit Verantwortung übernehmen. Es nutzt uns nichts, wenn all die Guten und Engagierten ausbrennen, wir brauchen jede:n Einzeln:en.
Was heißt Resilienz auf Organisationsebene und wie kann sie gefördert werden?
Resiliente Organisationen lernen aus Krisen, anstatt sie zu verdrängen. Sie haben eine Kultur des Vertrauens, in der Fehler ausgesprochen und gemeinsam bearbeitet werden können. Das setzt eine Führung voraus, die Verletzlichkeit nicht als Schwäche versteht, sondern als Stärke. Resilienz auf Organisationsebene ist kein Zufallsprodukt – sie muss bewusst entwickelt und gepflegt werden. Das klingt in der Theorie sehr logisch, ist in der Praxis aber definitiv eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl, Feinfühligkeit und Empathie erfordert. Früher nannte man diese Eigenschaften “Soft Skills” – aber es sind die wahren “Core Skills”, also der Kern gesunder und nachhaltiger Organisationen.
Was können wir als Engagierte tun, um Werte wie Empathie und Zusammenhalt zu stärken?
Wir können anfangen, wirklich zuzuhören – nicht nur um zu antworten, sondern um zu verstehen. Wir können Räume schaffen, in denen Unterschiede willkommen sind. Und wir können vorangehen: Empathie zeigen, auch wenn es unbequem wird. Gerade in Sachsen, gerade jetzt, brauchen wir ein starkes Miteinander – im Engagement, in den Organisationen, in der Gesellschaft. Ich glaube daran, dass wir das gemeinsam gestalten können.
Vielleicht bin ich eine hoffnungslose Optimistin, aber solange ich noch von genügend Menschen umgeben sind, die das Gleiche hoffen und sich täglich dafür einsetzen, bleibe ich gern eine von ihnen. Ihr auch?




