Tausche Bildung für Wohnen e.V.
Tausche Bildung für Wohnen e.V. verbindet zwei gesellschaftliche Herausforderungen: Kinder in strukturell benachteiligten Stadtteilen erhalten individuelle Lernförderung und stabile Bezugspersonen – durch junge Erwachsene, die dafür mietfrei im Quartier wohnen und sich als Bildungspat:innen engagieren. Unser Ziel: Bildungsgerechtigkeit durch Beziehung. Seit 2014 an mehreren Standorten im Ruhrgebiet und Hamburg.

Organisationsform
e.V.
Gründungsjahr
2012
Themenfelder
Bildung, Jugend & Familie, Kulturelle & gesellschaftliche Teilhabe, Migration & Integration, Soziale & globale GerechtigkeitGröße des Unternehmens / der Organisation
25 Hauptamtliche, 25 Bundesfreiwillige
Zielgruppe
Kinder (6–14 Jahre) aus strukturell benachteiligten Familien in urbanen Quartieren mit erschwertem Bildungszugang. Junge Erwachsene (18–27 Jahre) in der Orientierungsphase, die Verantwortung übernehmen, praktische Erfahrungen sammeln und sich persönlich weiterentwickeln möchten. Gründer:innen, die einen eigenständigen gemeinnützigen Trägerverein aufbauen und das TBfW-Modell als Systempartner in einer neuen Stadt umsetzen wollen.
Ort
Duisburg, Gelsenkirchen, Witten Essen, Dortmund, Hamburg, Köln (im Aufbau)
Finanzierungsform/Förderung
Stiftungsförderung, Spenden und geringer Anteil öffentliche Mittel.
Wirkungsraum
Bremen, Nordrhein-WestfalenWirkungsmanagement
IOOI-Methode, Social Reporting Standards (SRS)Zum WirkungsberichtFür uns bedeutet Wirkungsmessung und -management (IMM):
Wirkung entsteht bei uns nicht durch Methoden, sondern durch Beziehungen. Wir fragen: Was verändert sich bei Kindern, jungen Erwachsenen und in den Stadtteilen?
Seit 2025 erheben wir Wirkung systematisch: Halbjährliche Befragungen von Kindern, Eltern, Lehrkräften, Bildungspat:innen und Alumni geben differenzierte Einblicke in Entwicklungsprozesse. Ergänzt wird dies durch eine externe Evaluation der FH Dortmund zu den Gelingensbedingungen unserer Bildungsbeziehungen.
Wirkungsmanagement verstehen wir als ehrlichen Prozess: Wir benennen, was wir messen können – und was nicht. Was wir zeigen können: Kinder fühlen sich zugehörig, lernen besser, Bildungspat:innen wachsen.

Beziehungsarbeit zwischen Bildungspatin und Kindern

Beziehungsarbeit zwischen Bildungspatin und Kind
Das Besondere an TBfW ist das Tauschprinzip: Wir lösen zwei gesellschaftliche Probleme gleichzeitig. Kinder in benachteiligten Quartieren brauchen individuelle Förderung und verlässliche Bezugspersonen. Junge Erwachsene suchen Orientierung, Verantwortung und bezahlbaren Wohnraum. Wir bringen beides zusammen.
Was uns von Nachhilfe oder Mentoring unterscheidet: Unsere Bildungspat:innen leben ein Jahr im selben Quartier wie die Kinder. Sie teilen den Alltag, begegnen sich auf der Straße, beim Einkaufen, im Hof. Diese Nähe schafft echte Beziehungen – keine Programme.Bildung verstehen wir nicht als Wissensvermittlung, sondern als Beziehungsarbeit. Das ist kein pädagogisches Konzept – es ist, was Bildungsforschung seit Jahrzehnten fordert und was das Schulsystem strukturell nicht leisten kann.
Seit der Eröffnung der ersten Tauschbar 2014 haben wir mehr als 4.300 Kinder individuell begleitet, über 60.900 Stunden Lernförderung und Freizeitangebote gestaltet und 239 junge Erwachsene durch ihr Engagementjahr begleitet.
Unsere Wirkungsmessung 2025 zeigt: 91 % der Kinder fühlen sich der Tauschbar zugehörig, 92 % verstehen ihre schulischen Aufgaben besser. Lehrkräfte und Eltern bestätigen bei 71–84 % der Kinder messbare Fortschritte in Sprache, Rechnen und sozialem Verhalten.
Bei den Bildungspat:innen geben 100 % der Alumni an, dass ihr Engagement ihre Studien- oder Berufswahl beeinflusst hat. 96 % würden TBfW weiterempfehlen.
Was Zahlen nicht zeigen: das Kind, das nach Wochen des Schweigens anfängt zu erzählen. Der erste Ausflug ans Meer. Die Bildungspatin, die bleibt.
Am meisten geholfen hat uns die Kombination aus früher Auszeichnung und echter Beziehungsarbeit. Der Act for Impact-Preis 2012 war unser Raketentreibstoff zum Start. Was uns wirklich trägt: Fördernde, die langfristig denken. Wohnungsbaugesellschaften, die Räume bereitstellen. Und ein Team, das glaubt, dass Beziehung die stärkste Bildungsinfrastruktur ist, die es gibt.
Früher gewusst hätte ich gern, wie zäh die Zusammenarbeit mit lokaler Politik und etablierten Wohlfahrtsstrukturen sein kann. Dass ein innovativer Ansatz sofort Zuschreibungen anzieht: „Löst doch auch noch das!” Und wie viel Bürokratie hinter jedem Schritt steckt – Vereinsgründung, Arbeitgeber sein, Richtlinien, Meldepflichten, Nachweispflichten. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vielleicht nicht gegründet. Gut, dass ich es nicht wusste.
Unsere größte Hürde ist die Bestandsfinanzierung. Nach mehr als zehn Jahren erfolgreicher Arbeit wird es paradoxerweise schwerer, das zu finanzieren, was wir bereits erfolgreich tun. Für Starts, Projekte und Wachstum gibt es Förderung. Für bewährte, laufende Strukturen kaum. Dabei ist genau die Kontinuität das, was bei Kindern und im Quartier wirkt.
Unser nächstes Ziel ist die bundesweite Skalierung über Systempartnerschaften: Wir qualifizieren Gründer:innen, die einen eigenständigen TBfW-Verein in ihrer Stadt aufbauen. Nach Hamburg (2023) eröffnet 2027 ein Standort in Köln. Bis 2028 wollen wir zwei weitere Systempartner-Standorte aufbauen – damit Bildungsgerechtigkeit durch Beziehung in ganz Deutschland wächst.
Uns dürfte es nicht geben. Unser Ziel müsste sein, uns abzuschaffen – weil dann wäre das Problem gelöst. Solange Bildungserfolg in Deutschland von der Postleitzahl abhängt, braucht es Orte wie unsere. Wir sind kein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir sind der Beweis, dass eine andere Bildungslogik möglich ist. Und wir laden ein: Macht es nach.
Wirkungslogik
In Deutschland hängt Bildungserfolg massiv von Herkunft und Wohnort ab. Kinder in benachteiligten Quartieren fehlt individuelle Förderung und stabile Bezugspersonen. Gleichzeitig fehlt jungen Erwachsenen bezahlbarer Wohnraum und ein sinnstiftender Einstieg ins Erwachsenenleben.
Wir verbinden beide Herausforderungen: Junge Erwachsene engagieren sich als Bildungspat:innen für Kinder in benachteiligten Stadtteilen und wohnen dafür mietfrei im Quartier. Verlässliche Beziehungen sind der Kern – Bildung entsteht durch Begegnung, nicht durch Programme.
In Deutschland hängt Bildungserfolg massiv von Herkunft und Wohnort ab. Kinder in benachteiligten Quartieren fehlt individuelle Förderung und stabile Bezugspersonen. Gleichzeitig fehlt jungen Erwachsenen bezahlbarer Wohnraum und ein sinnstiftender Einstieg ins Erwachsenenleben.
Takeaways
Fang an – auch wenn du nicht alles weißt
Wer wartet, bis alles perfekt ist, fängt nie an. Die wichtigsten Erkenntnisse kommen aus der Praxis, nicht aus dem Businessplan. Bau früh ein Team, das deine Werte teilt. Und such dir Fördernde, die dir vertrauen – nicht nur deine Outputs zählen.
Beziehung ist keine Methode – sie ist der Kern
Was in der Bildungsarbeit wirklich wirkt, lässt sich nicht standardisieren. Investiere in Vertrauen, Kontinuität und echte Begegnung – nicht in Programme. Wer Beziehung als Grundlage nimmt, wird langsamer sichtbar, aber tiefer wirksam.
Ansprechpartner:in
Christine Bleks, Gründerin & VorständinThemen zum Vernetzen
Bildungsgerechtigkeit, Beziehungsarbeit, Sozialunternehmertum, Systempartnerschaft, Freiwilligendienst, Quartiersentwicklung, Wirkungsmessung.